Geschichte

Geschichte
Die Anfänge Hephatas liegen in der gemeindlichen Diakonie. Der Treysaer Pfarrer Franz von Roques errichtete in seiner Gemeinde im 19. Jahrhundert Krankenpflegestation und eine Nähstube. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass 1864 auf dem heutigen Hephata-Gelände das Kurhessische Diakonissenhaus gegründet wurde. Im Vordergrund standen Krankenpflege und Fürsorgeerziehung für Mädchen. Der Sitz des Mutterhauses wurde 1883 nach Kassel verlegt.

Durch das große Engagement des jungen Pfarrers Hermann Schuchard entstand auf dem Gelände in Treysa ein bedeutendes Werk der Inneren Mission. Mit Unterstützung von Pfarrern und interessierten Persönlichkeiten gründete Schuchard 1901 den Verein Hephata und das Hessische Brüderhaus. Hier wurden gleichzeitig die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen und die Ausbildung von Diakonen begonnen. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Arbeit Hephatas stetig. Hephata übernahm weitere Aufgabenfelder und vergrößerte sich auch baulich. Zahlreiche Häuser wie Emmaus, Bethanien, Sarepta und besonders unsere schöne, 1906 geweihte Kirche, sind Zeichen dafür, dass auf der notwendigen Arbeit Hephatas Segen lag. Diese Arbeit konnte auch in den wirtschaftlichen schwierigen Zeiten des 1. Weltkrieges und der Weimarer Republik fortgeführt werden.

Eine bedrohliche Zäsur in der diakonischen Arbeit stellte ab 1933 die nationalsozialistische Diktatur dar. In dieser Zeit wurde Hephata, wie andere diakonische Einrichtungen auch, von der nationalsozialistischen Führung unter Druck gesetzt. Diese beabsichtigte, die Eigenständigkeit des Hephata e.V. zu beenden. Es konnte nicht verhindert werden, dass bereits 1937 und in den Folgejahren mindestens 399 Bewohner und Bewohnerinnen aus Hephata abtransportiert und in staatliche Einrichtungen verlegt und dann ermordet wurden.

Mahnmal
Nur wenige Wochen nach Kriegsende erlangte Hephata große Bedeutung. Im August 1945 wurde durch eine Konferenz wichtiger, kirchlicher Persönlichkeiten die Evangelische Kirche in Deutschland gegründet. Gleichzeitig rief man hier das Evangelische Hilfswerk ins Leben, das mit zahlreichen Programmen in allen Teilen Deutschlands für die Versorgung der Bevölkerung, insbesondere der Flüchtlinge, Kriegsversehrten, Witwen und Waisen und durch den Aufbau von Notkirchen tätig wurde. Auch die Evangelische Kirche von Kurhessen Waldeck wurde mit einer Notsynode 1945 in Hephata neu gestaltet.

Die Auswirkungen des menschenverachtenden nationalsozialistischen Regimes prägten auch die Nachkriegszeit. Der große Nachholbedarf individueller Förderung und Lebensgestaltung von Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen, konnte in den 70er und 80er Jahren realisiert werden. Dies spiegelt sich auch in einer Dezentralisierung der Einrichtung, insbesondere in den Bereichen der Jugendhilfe und der Sozialen Rehabilitation, sowie in der starken Differenzierung der Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung wider. Ist Hephata ursprünglich als Einheit von Arbeits- und Lebensort von Mitarbeitenden, Bewohnern im Schatten des Kirchturms der Hephata-Kirche groß geworden, bildet es heute ein diakonisches Unternehmen an vielen Standorten in Hessen und Bayern.

Der christliche Grundgedanke, das selbst erfahrene Heil Gottes in der Lebensgestaltung mit anderen zu teilen, ist erhalten geblieben und prägt bis heute die Arbeit.