Das weiß auch Marion Springs, hauptamtliche Mitarbeiterin in der EUTB. „Im Regelfall sind hier eher Menschen mit einer körperlichen Behinderung als Peers (Berater) eingesetzt.“

Prader-Willi-Syndrom

Wenn Fabian Schade kocht, achtet er genau darauf, was auf seinem Teller landet. Das ist bei ihm besonders wichtig. Denn der 33-Jährige hat das Prader-Willi-Syndrom, ein angeborener Gendefekt, bei dem Betroffene eine geistige Beeinträchtigung und kein Sättigungsgefühl haben.

2009 zog Fabian Schade in die Villa im Viereck, einer Wohneinrichtung für Menschen mit dem Prader-Willi-Syndrom (PWS) am Stammgelände der Hephata Diakonie. Damals war er 21 Jahre alt und lebte zuvor bei seiner Familie. Aber schon da war ihm klar: „Ich muss etwas tun“, sagt er. In der Wohneinrichtung leben die Betroffenen zusammen und werden von Sozialpädagog*innen, Hauswirtschafter*innen und Fitnesstrainer*innen betreut. „Dort konnte ich viel lernen – egal, ob über die Ernährung, die Tagesstruktur oder das Miteinander“, sagt Fabian Schade. In der Zeit absolvierte er auch eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer in der Hephata-Gärtnerei. Sieben Jahre lebte er dort, bis er 2016 den größten Schritt wagte: Er bezog eine eigene Wohnung. „Und es funktioniert gut“, sagt Fabian Schade.

Ansprechpartner für gesunde Ernährung

„Es ist nicht selbstverständlich, dass er so sein eigenes Leben führt“, sagt Marion Springs. Schnell war klar, dass ihnen genau so jemand als Peer in der EUTB in Schwalmstadt fehlt. „Er weiß aus seiner eigenen Betroffenheit, was man lernen muss, um klar zu kommen“, sagt Springs. Und dabei gilt vor allem eines: „Auch Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen können Experten sein“, sagt Springs. Deshalb ist Fabian Schade auch der erste Ansprechpartner, wenn es beispielsweise um gesunde Ernährung für Menschen mit Behinderung geht, „oder aber um das Stellen von Grundsicherungsanträgen beispielsweise – da ist er viel besser als ich“, sagt Springs.

In der EUTB in Schwalmstadt bietet Schade ein Mal wöchentlich Beratungsgespräche im Tandem mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin der EUTB an. „Wir sehen den klaren Vorteil, dass er Experte in eigener Sache ist und aus eigener Erfahrung spricht“, sagt Springs.

„Auch Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen können Experten sein.“

Maron Springs, hauptamtliche Beraterin in der EUTB

Leider gebe es immer noch Menschen, die dafür wenig Akzeptanz hätten. Wir sagen aber ganz klar: Nein, auch Menschen mit einer solchen Beeinträchtigung können beraten und das macht unsere Beratungen auch aus.“ Und für Fabian Schade ist eines besonders wichtig: „Es ist schön, anderen Menschen helfen zu können – bis ich das alles geschafft habe, war es ein weiter weg. Aber es lohnt sich und den Ratsuchenden sage ich auch immer, dass sie mutiger sein sollen.“

Die EUTB in Schwalmstadt

Die Beratung der EUTB ist kostenlos. Die EUTB gibt es an mehr als 500 Orten in Deutschland.

Im Schwalm-Eder-Kreis:

Bahnhofstraße 45
34613 Schwalmstadt-Treysa
Tel.: 06691 9288830
E-Mail: info@eutb-beratungsstelle.de

Die Öffnungszeiten sind:

Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 Uhr.
Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.

Website: https://eutb-beratungsstelle.de/

Prader-Willi-Syndrom

PWS tritt durchschnittlich bei einem von 10.000 bis 15.000 Kindern auf und geht auf eine Genveränderung zurück. Betroffene haben kognitive Beeinträchtigungen in Kombination mit Sprech- und Sprachprobleme oder eine leichte geistige Behinderung. Das ständige Hungergefühl ist vom Erleben her mit einer Sucht vergleichbar. Die Suche nach Lebensmitteln bestimmt bei vielen Betroffenen den Tagesablauf.