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Bewegender Moment

Die Tagesfahrt galt als sozialpolitische Fortbildung zum Thema „Aus der Geschichte lernen“, die Kosten übernahm der Geschäftsbereich Behindertenhilfe. Markus Balkenhol, Mitarbeiter des Kultur- und Bildungszentrums (KuBiz), organisierte die Fahrt: „Es war sehr bewegend!“

Die Gedenkstätte Hadamar war eine von vielen Tötungsstätten im Dritten Reich. In den späten 1930er Jahren bis 1945 brachten Nationalsozialisten hunderttausende Menschen in Lagern wie diesem um. Unter den Opfern waren auch Menschen mit Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen, unter anderem aus Hephata. Auch an sie sollte bei dem Besuch erinnert werden. Eine Führung in leichter Sprache war dabei ein wichtiger Zugang. Ein mindestens genauso wichtiger Zugang war Julia Frick, die ein Praktikum in der Gedenkstätte absolviert und die Führung der Gruppe begleitete.

Julia Frick beschäftigt sich mit der NS-Euthanasie seit Jahren. Ihr Großvater Walter Frick wurde am 9. März vor 75 Jahren in die Nervenheilanstalt Bernau eingewiesen und später ermordet. Der Aufarbeitung seiner Biografie hat sich die 25-Jährige verschrieben. Sie hat auf facebook eine Gedenkseite für ihren Großvater eingerichtet. Dort schreibt sie auch über ihr Praktikum in der Gedenkstätte Hadamar und über die Begegnung mit der Gruppe der Behindertenhilfe Hephata:

„Die zweite Woche meines Praktikums ist vorüber und ich möchte euch von einer ganz besonderen Führung berichten. Heute war eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung aus dem Hessischen Diakoniezentrum Hephata in der Gedenkstätte Hadamar zu Besuch. Ich durfte die Führung, die meine Kollegin in Leichter Sprache gestaltet hat, begleiten und bin aus mehreren Gründen tief berührt. Zum einen hat mein Vater dort in den 60er Jahren eine Erzieherausbildung absolviert, sodass mir der Ort schon seit ich denken kann ein Begriff ist. Zum anderen war es unheimlich bereichernd, zu erleben, wie gerade Menschen mit Behinderung sich dem ohnehin heiklen Thema NS-Euthanasie nähern. Sie sind vorsichtig und dennoch direkt, sind respektvoll und dennoch fordernd. Auf dem Anstaltsfriedhof legte die Gruppe schließlich eine Schale mit Blumen und einer Schleife nieder "in Andenken an unsere Kollegen", denn in Hadamar wurden im Jahr 1941 fast 400 Menschen aus Hephata ermordet. Nach kurzem andächtigem Schweigen sprach einer spontan und frei heraus den Psalm 23, "Der Herr ist mein Hirte" - was für ein bewegender Moment. Diese Führung werde ich noch lange in Erinnerung behalten.“