Vorträge

Denken und Tun – und wie sich beides zueinander verhält – ist das Thema des ersten Vortrags zum Auftakt des Symposiums. Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn die Hände aktiv sind? Wie bahnt händisches Tun dem Neuen den Weg? Und was hat es mit dem „neuronalen Homunkulus auf sich?“

Im anschließenden Kurzworkshop ist Gelegenheit, den „neuronalen Homunkulus“ mit den eigenen Händen zu erfahren.

Dozent*in:

Kerstin Abraham

Freie Künstlerin und Professorin für Freie Kunst und Keramik, Muthesius-Kunsthochschule, Kiel

 

„Mit dem Erdkloss habe ich das ursprünglichste Modell der Menschheitsgeschichte in der Hand“. Frauke Gerhard greift in ihrer multimedialen Praxis ortsspezifisch auf „den Bodenschatz“ zurück. Ihr Vortrag verbindet anhand von Beispielen aus künstlerischen Versuchsanordnungen und partizipatorischen Projekten unerwartete Inspirationen mit tiefen Begründungen und Erweiterungen des Begriffs „Keramik“.

Im anschließenden Kurzworkshop entstehen praktisch handelnd kleine phänomenologische Experimente als Anregungen für die therapeutische und pädagogische Praxis.

Dozent*in:

Frauke Gerhard

Freie Künstlerin, Dozentin in Kunstpädagogik und Erwachsenenbildung

PädArT ist eine Methode der Fort- und Weiterbildung, die theoretisches Wissen und praktische Übungen ganzheitlich verbindet. Der Vortrag zeigt auf, wie Ton als pädagogisches Material in Selbsterfahrungsprozessen und Situationstrainingstrainings zu Entwicklung und Veränderung anregt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können in herzberührenden Prozessen ihre erworbenen Verhaltensmuster liebevoll erkennen und oft als entwicklungshemmend erlebte Muster überwinden.

Durch den Haptischen Sinn (Hautsinne, Gleichgewichtssinn und Tiefensensibilität/ Druck) und mit dem ganzen Körper können sie so zum Ausdruck bringen, was sie innerlich bewegt und wozu sie eigentlich bestimmt sind. In die Heil-Pädagogische Arbeit am Ton – (PädArT) fließen Aspekte des Haptischen Sinns, der Entwicklungspsychologie, der Gehirn- und Traumaforschung mit ein. Vorgestellt werden auch Beispiele für die achtsame und feinfühlige Begleitung von Selbstbildungsprozessen am Ton.

Dozent*in:

Ilse-Marie Herrmann

Leiterin der PädArT-Bildungsakademie und Dozentin für PädArT

Seit 1972 entwickelt Prof. Heinz Deuser die von ihm begründete Methode der Arbeit am Tonfeld, die sich seit vielen Jahren in Kindergärten, Schulen, in der Jugendhilfe und in psychotherapeutischen Kontexten bewährt hat.

Der Vortrag führt ein in Setting, Methodik und Hintergründe der Methode und verdeutlicht, wie sich im Dialog der tastenden, greifenden Hände vorsprachliche Erfahrungen, Entwicklungshemmnisse und –potenziale zeigen. „Bewegung wird Gestalt“! Was sich als Bewegungsgestalt im Ton abbildet, kann im begleiteten Prozessverlauf aufgegriffen, weiterentwickelt und verändert werden.

Dozent*in:

Heinz Deuser

Pädagoge, Gründer und Leiter des Instituts für Haptische Gestaltbildung Hinterzarten

 

Was als vorwitziges Experiment begann, ist längst zu einem Dauerbrenner für Studierende an der Hephata Akademie geworden: „Forschen mit Erde“ als Unterrichtsaufgabe für angehende Erzieher*innen. Zahlreiche Jahrgangsstufen schwärmten bisher aus, um die eigene formbare Erde zu suchen.

Der Vortrag fächert auf, wie daraus bemerkenswerte Situationen in Familien und mit Klient*innen entstanden.  Die damit angestoßenen pädagogischen Erkenntnisse und Impulse fließen ein in Thesen zu einer langsamen Kunst, eben „Slow Art“ mit Ton.

Dozent*in:

Delia Henss

Freie Künstlerin und Dozentin an der Hephata Akademie für soziale Berufe, Referentin in der Jugend- und Erwachsenenbildung

Meister Chajim erzählt aus Jahrzehnten der Berufs- und Lebenserfahrung. Er absolvierte als fünfte Generation seiner Familie eine Lehre in der Meissner Porzellan-Manufaktur.

Er war Mitbegründer eines Vereins für jüdische Kinder, die die Shoah überlebt haben. Seine Berliner Werkstatt „Yad Chanah“ steht allen Generationen zur Verfügung, die Freude an der Arbeit mit Ton finden. Wie schon mit kriegsgeschädigten Kindern aus Sarajewo ermöglicht er hier vor allem Kindern, zum Ausdruck ihrer Themen des Alltags und ihrer Identität zu finden.

Ein biografischer Bericht über den Werkstoff Ton als soziales Element, Nährboden für Lebensbildung, als „Erzähler, Eingeweihter und Spiegel“ von Erlebnissen und Gedanken.

Dozent*in:

Chajim Harald Grosser

Keramikmeister, Lebenskunde-Lehrer, Kulturwissenschaftler, Gründer der Keramik-Werkstatt Yad Chanah

Das keramische Arbeiten mit Kindern an Schulen gestaltet sich oft schwierig. Unzureichende organisatorische Voraussetzungen und Verantwortlichkeiten lähmen manch ein vielversprechendes Projekt. Dabei ist strukturiertes (fein)motorisches Lernen nötiger und aktueller denn je.

Keramik bietet bei vergleichsweise geringem Aufwand ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten, das an Schulen aber häufig kaum ausgeschöpft wird. Der Erfahrungsbericht aus verschiedenen Schulformen und -systemen zeigt die ungeahnten Potenziale der Kinder, die Herausforderungen und Möglichkeiten der praktischen Umsetzung von keramischen Projekten in der Schule.

Dozent*in: 

Christian Diller

freischaffender Künstler, Projektleiter für keramisches Arbeiten mit Kindern

Als Gründungsmitglied des kalkspatz e.V. hat Christian die vergangenen neun Symposien nicht nur miterlebt, sondern auch mitgestaltet. Vom Aufbruch in noch unvernetzten Zeiten bis zur Gegenwart lässt er Ereignisse, Erlebnisse und Gedanken Revue passieren – eine Schau zurück mit Dreh nach vorn.

Dozent*in:

Christian Sautier

„kalkspatz-Urgestein“, Keramikmeister, Sozialpädagoge, Leiter des sozialpädagogischen Teams der Nymphenburger Schulen in München

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz erforscht als Leibniz-Forschungsmuseum für Archäologie menschliches Verhalten von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter. Dadurch ergeben sich vielfältige Möglichkeiten eigene und fremde Verhaltenspraktiken zu reflektieren.

Ein Beispiel dafür ist die Arbeit des Labors für Experimentelle Archäologie (LEA) zur Entwicklung der Keramiktechnologie am Beispiel der Mayener Töpfereien. In diese Forschungen sind Akteure mit unterschiedlichen Lebens- und Berufsbiografien eingebunden, die mit ihrem individuellen Wissens- und Erfahrungsfundament Forschung und Vermittlung eine besondere Prägung geben. Welche Potenziale für die Vermittlung und die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen sich darüber hinaus für pädagogisch wie keramisch Tätige ableiten lassen, ist Thema des Vortrags.

Dozent*in:

Michael Herdick

Archäologe

Workshops

Berührungen und Hautsinn sind die früheste Grundlage von Beziehungserfahrungen und sind häufig zentral beim Verständnis früher Entwicklungstraumata. Auch spätere traumatische Erfahrungen hinterlassen tiefe Spuren im Körpergedächtnis, oft unzugänglich für kognitive Bewältigung und verbale Ansprache. Hier ist die„Arbeit am Tonfeld®“ eine wirkungsvolle Methode, um Menschen mit Trauma-Erfahrungen in therapeutischen und pädagogischen Praxisfeldern sowie in der Pflege zu begleiten.

Klient*innen vollziehen heilsame und regulierende, selbstwirksame haptische Bewegungen am Material. Diese im sozialen Kontakt begleitete sensomotorische Erfahrung bietet eine transformierende Interaktion mit dem Selbst und der Welt und öffnet Wege zu Entlastung, Integration und Coping. Der Workshop geht vertiefend und am Beispiel ein auf die neurobiologischen, entwicklungspsychologischen und somatischen Zusammenhänge und ihre Bedeutung für die Praxis.

Dozent*in: 

Heinz Deuser

Pädagoge, Gründer und Leiter des Instituts für Haptische Gestaltbildung Hinterzarten

Arbeiten Sie therapeutisch mit Ton? In einem pädagogischen Bereich? Mit einzelnen Klient*innen oder Gruppen? Freischaffend künstlerisch? Für die Kundschaft von Keramikmärkten… eventuell für die Industrie?

Frauke Gerhards Workshop bietet Raum für „Fälle“ aus Ihrer Praxis, individuelle Fragen und Anregungen zur Projektentwicklung, eine Einladung zum Dialog und zum gemeinsamen Experimentieren.

Beim Gestalten imaginieren und konstruieren wir mit mehr oder weniger abstrakten Formen, mit Quantitäten, Zahlen und Begriffen. Unser kreativer Umgang mit „Material“ hängt von gedanklichen Bezugsystemen und Analogiebildungen ab. Je nach Interessenlage werden hierbei analytische, anatomische oder holistische Denkweisen in Richtung des Bildhaften eingeschlagen. Körpermetaphern, geologische und klimatische Modelle sind vielen Menschen besonders vertraut. Vergleichsmöglichkeiten regen zum Erforschen von Phänomenen an, unterstützen das Studium und den Ausdruck der eigenen Verfassung, bieten die Basis für gesellschaftliche Projektionen. Es liegt nahe, sich so mit aktuellen Themen zu befassen.

Dozent*in:

Frauke Gerhard

Freie Künstlerin, Keramik/ Multimedia/ Site-Specific/ Initiatorin/ Projektleiterin

Ausgangspunkt des Workshops ist eine Selbsterfahrung in einem meditativen Tonprozess. Anhand des gemeinsamen Austauschs zu den erlebten Prozessen werden als weitere Themen sind die besonderen Eigenschaften des Materials Ton und deren Bedeutung für die Ich-Entwicklung vertieft. Verdeutlicht werden verschiedene PädArT-Methoden (wie z.B. das Arbeiten am Tonblock) sowie die Einrichtung und Leitung eines PädArT-Ateliers.

Wie die heilpädagogische Arbeit am Ton in den eigenen Arbeitsbereichen integriert und mit einem anerkannten PädArT-Atelier erweitert werden kann, wird angeregt und diskutiert.

Dozent*in:

Ilse-Marie Herrmann

Diplom-Sozialpädagogin, Leitung PädArT, Entwicklungspädagogin in der Arbeit am Tonfeld, Systemische Familien- und Organisationsaufstellerin, Fachberaterin und Fortbildnerin für Kindertagesstätten

Mit Porzellan aufbauen? Mit diesem anspruchsvollen Material zu arbeiten ist sehr speziell: Kiho Kang zeigt aus langjähriger Erfahrung heraus, wie damit von Hand geformte Gefäße entstehen. Mit seiner Variante der ältesten keramischen Aufbautechnik, der Wulsttechnik, gelingt es auch Anfängern, optisch und haptisch leichte Porzellangefäße zu formen, denen die Spuren der Finger, des Machens, der Zeit, des Nachdenkens und des Strebens eine besondere Wirkung verleihen. Die Schönheit der Langsamkeit – der asiatischen Tradition verpflichtet und doch ganz modern…

Dozent*in:

Kiho Kang

Keramiker, handgefertigte Unikate

Ute Naue Müller spricht mit ihren Skulpturen eine einzigartige Dekorsprache, mit viel Witz, Ironie und Wortspielen. Ihre speziellen Herangehensweisen an keramische Oberflächen in feuchtem, trockenem und gebranntem Zustand wecken individuelle Potenziale im handwerklichen Umgang mit keramischen Farben: Mischen, Schichten, Pinseln, Drucken, Wachs- und Folienreserve.

Wer selbst oder in der Arbeit mit Menschen aller Art abseits vom Einerlei in Formen und Farben schwelgen will, findet hier grundlegendes technisches und gestalterisches Wissen, Beratung und weiterführende Anregung.

Dozent*in:

Ute Naue-Müller

Künstlerin, Leiterin Keramik an der JugendKunstschule Dresden

Dies ist der Workshop für alle, die tatsächlich einmal feste Vorgaben und Vorstellungen loslassen wollen, um sich stattdessen einzulassen auf Unerwartetes, Überraschendes, Experimentelles, angefangen beim Ton holen im Wald…

Ziel ist das konkrete Kennenlernen von prozessorientierten Herangehensweisen (im Unterschied zum zielorientierten Arbeiten) – als Ausgleich zur allgegenwärtigen Konkurrenz und Ergebnisfixierung in unserer Leistungsgesellschaft. Im gemeinsamen Prozess sich selbst und die Heilkraft des Tons wiederzufinden und zu entdecken, eröffnet auch für die Praxis in der Arbeit mit Menschen neue Freiräume für das eigene Handeln.

Dozent*in:

Katarina Petersilge

Keramikerin, Wegbegleiterin

Eine große Skulptur bauen und im Freien verbrennen? In einem solchen Gemeinschaftsprojekt kann sich jede/r einbringen, vom Aufbereiten einer speziellen Tonmischung über das Planen und Tun bis zum großen Abschlussfeuer.

Im Workshop wird am praktischen Beispiel erfahrbar, wie das geht und was es braucht, um Feuerdrachen, Baumriesen und Archen, von und mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu bauen. Auch die dazugehörige Brenntechnik und die nötigen Rahmenbedingungen kennenzulernen macht Mut zu eigenen Projekten in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen, als unvergessliche Erfahrung, z.B. im Rahmen von Projektwochen oder Festen oder als bleibende Skulptur.

Dozent*in:

Stefanie Schmoltzi

Künstlerin

Wir sehen, was wir zu sehen glauben…

Beim Porträtieren nach dem lebenden Modell geht es darum, das Gegenüber wirklich wahrzunehmen, zu erfassen und keramisch umzusetzen: Die große Form ist wichtig, die Details entstehen beim Arbeiten. Das Bild des Menschen vom Menschen – das ist so ein grundsätzliches, basales Thema: das kann jede/n packen! 

In diesem Workshop ist Gelegenheit, sich dem menschlichen Antlitz mit Maria Stams besonderer Methode handgreiflich zu nähern, eine enorme plastische Erfahrung zu machen, von der Porträtexpertin ermutigt und begleitet.

Dozent*in: 

Maria Stams

Freie Künstlerin, Porträtplastik

Dorothee Wenz stellt im Workshop ihren innovativen Ansatz vor, verschiedene Tonsorten und auch „alte“ Tonreste einzufärben und zu mischen, um mit verschiedenen Techniken daraus Gefäße und Skulpturen aufzubauen.

Im kreativen Umgang mit individuell geschichteten und gemusterten Tonblöcken in einer beliebig erweiterbaren Farbpalette kommt es zu den vielfältigsten haptischen Erfahrungen, da mit allen Zuständen des Tons gearbeitet wird. Dieses Vorgehen ist mit einfachen Mitteln möglich und bei allen Altersgruppen in den verschiedensten Praxisfeldern anwendbar.

Dozent*in:

Dorothee Wenz

Bildende Künstlerin, Gefäße und Figuren aus eingefärbten Massen