Sozialpsychiatrie Soziale Rehabilitation Betreutes Wohnen

Angelika R.* bei ihrem liebsten Hobby, dem Malen.

Hephata - Pressemitteilung

Hilfe für ein selbstbestimmtes Leben

„Ich bin froh, wenn ich meine Tür einfach zu machen kann“, sagt Angelika R.* Die 37-Jährige ist Klientin des Betreuten Wohnens der Sozialen Rehabilitation Hephatas in Schwalmstadt-Treysa.

43 Quadratmeter groß ist ihr Appartement. „Hier fühle ich mich wohl. Ich bin ruhiger geworden und mein Leben ist einfacher.“

Angelika R. mag nicht gerne Menschen um sich herum. In ihrem Appartement ist Platz für sie und ihren Mini-Chiuwawa Rosalie. Für viele Bücher und Puzzles und für ihre Malutensilien. „Hier habe ich meine Privatsphäre.“ Seit einem schlimmen Erlebnis in ihrer Kindheit leidet Angelika R. unter Depressionen, Angstzuständen und einer Essstörung. Im Laufe der Jahre kamen Diabetes, Bluthochdruck, Restless Legs und Arthrose dazu. Mit elf Jahren war sie zum ersten Mal in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie, lebte dann vier Jahre in einer Wohngruppe. Sie schaffte den Hauptschulabschluss, eine Ausbildung zur Altenpflegerin und den Einstieg in den Beruf. Doch ab Mitte 2015 ging es ihr immer schlechter. Der Sozialdienst einer psychisch-somatischen Fachklinik empfahl Angelika R. das Betreute Wohnen in der Sozialpsychiatrie Hephatas.

„Das war ein guter Rat“, sagt die 37-Jährige heute. Seit September 2016 lebt sie in der Rommershäuser Hohle in Schwalmstadt-Treysa. In der Einrichtung der Sozialpsychiatrie Hephatas bekommen Menschen mit psychischen Behinderungen Unterstützung im Alltag. Das Haus gehört der Hephata Diakonie, die Mieter sind die Klienten selbst. Als Angelika R. einzog,  gab es in der Rommershäuser Hohle noch zwei Betreute Wohngemeinschaften für jeweils fünf Menschen. Die Klienten hatten Einzelzimmer, nutzten aber Bäder, Küche und Wohnzimmer gemeinsam. „Das war für mich nicht schön, Räume mit anderen Menschen zu teilen“, erinnert sich die 37-Jährige. Im Herbst 2017 starteten dann die Umbauarbeiten für das neue Konzept der Einrichtung. Dabei entstanden zunächst in der einen Hälfte des Hauses fünf neue Appartements, in die im April 2019 die ersten Klienten einzogen, unter ihnen auch Angelika R.. Sie lebt seitdem in einem Ein-Zimmer-Appartement im Untergeschoss, mit eigenem Bad und Küchenzeile. In der anderen Hälfte des Doppelhauses laufen die Bauarbeiten für fünf weitere Appartements. Diese sollen Ende des Jahres bezugsfertig sein, die Liste der Interessenten ist lang.

„Das Konzept ist gefragt, weil wir mit unserer Arbeit für die Klienten Freiheit und Selbstständigkeit ermöglichen. Die Klienten leben mitten in der Gemeinde, in ihren eigenen Wohnungen und bekommen von uns stundenweise Unterstützung im Alltag. Bei Krisen und Unsicherheiten können wir dank der Kooperation mit dem Wohnheim der Sozialpsychiatrie in der Bahnhofsstraße auch kurzfristig reagieren, 24 Stunden am Tag“, sagt Gudrun Sommer-Werner, Einrichtungsleiterin der Sozialen Rehabilitation.

Der Alltag von Angelika R. sieht so aus: Viermal am Tag kommt ein ambulanter Pflegedienst zu ihr, außerdem hat sie eine gesetzliche Betreuerin. Die Hephata-Mitarbeitenden unterstützen sie stundenweise, nach Bedarf. Sie begleiten die 37-Jährige zu psychiatrischen und Hausarzt-Terminen sowie zu Behörden. Sie helfen bei der Planung fürs Einkaufen, Kochen und bei der Organisation des Haushalts. Bei der Antragsstellung auf Erwerbsminderungsrente haben sie Angelika R. genauso geholfen wie bei den Überlegungen, einen Hund zu kaufen.

Zudem bieten die Mitarbeitenden für alle Klienten im Betreuten Wohnen gemeinsame Freizeitaktivitäten an. Dazu gehören Sportangebote wie Tanzen oder Bogenschießen, kreatives Gestalten sowie Tages- und Urlaubsfahrten. „Dabei ist es uns wichtig, mit den Klienten gemeinsam zu planen und zu organisieren, egal, ob es eine Unternehmung für alle oder nur für eine Person ist“, so Sommer-Werner. Die Klienten des Betreuten Wohnens können diese Angebote  wahrnehmen, sie müssen es aber nicht. „Es geht darum, flexibel auf die Wünsche, Erfahrungen und Kompetenzen der Menschen einzugehen. Sie dabei zu unterstützen, wieder ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft führen zu können.“ Angelika R.: „Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder ganz alleine leben kann. Jetzt schaffe ich das noch nicht.“

* Der Name ist der Redaktion bekannt.

Angelika R.* und Mini-Chiuwawa Rosalie.

Hintergrund: Sozialpsychiatrie

Die Sozialpsychiatrie hilft Menschen mit psychischen Behinderungen und chronisch abhängigkeitskranke Menschen. Sie gehört zur Sozialen Rehabilitation der Hephata Diakonie. In Kooperation mit anderen Einrichtungen wie der Hephata-Klinik, der  Beratungsstelle Jugend, Drogen und Sucht Hephatas und Werkstattangeboten der Sozialen Rehabilitation, bietet die Sozialpsychiatrie Unterstützung im Alltag. Die Sozialpsychiatrie hat in Schwalmstadt-Treysa ein Wohnhaus mit zehn vollstationären Plätzen sowie tagesstrukturierende Angebote für elf Menschen. Im Betreuten Wohnen und im trägerübergreifen persönlichen Budget werden aktuell 48 Menschen in ihren eigenen Wohnungen im südlichen Schwalm-Eder-Kreis betreut.

12.11.2019