Fachtag Heilpädagogik: Michaela Wegener, Akademie für soziale Berufe und Referat für Fort- und Weiterbildung, Prof. Wolfgang Praschak, Dr. Albert Müller, Dr. Monika Seifert, Maik Dietrich-Gibhardt und Michael Michels, Bathildisheim (von links).

Hephata - Pressemitteilung

Menschliche Haltung

Heilpädagogischer Fachtag der Hephata-Akademie für soziale Berufe

„Allumfassend ist Heilpädagogik, nicht nur Wissenschaft, nicht nur praktische Kunst, sondern menschliche Haltung“. Mit einem Klangteppich zu diesem Satz von Karl König und anderen Kernaussagen zum Tagungsthema eröffneten Heilpädagogik-Studierende der Hephata Akademie den Fachtag Heilpädagogik. Dieser fand am 28. März unter dem Titel „Heilpädagogik, Inklusion, Sozialraumorientierung: Wie geht das zusammen?“ in der Hephata-Kirche in Schwalmstadt-Treysa statt.

Geladen hatten die Heilpädagogik-Ausbildungs-stätten Bathildisheim e.V. Bad Arolsen, Evangelisches Fröbelseminar Kassel und Hephata Diakonie - es kamen über 140 Teilnehmende auf das Stammgelände der Hephata Diakonie. Neben Studierenden und Mitarbeitenden aus den genannten Einrichtungen der Diakonie unter anderem auch aus Hamburg, Bielefeld, Stuttgart und der Schweiz.

Den Eröffnungsvortrag „Auftrag der Heilpädagogik im Sozialraum - Auswirkungen auf das professionelle Selbstverständnis“ hielt Dr. Monika Seifert, Vorsitzende der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft aus Berlin. Sie entfaltete den Auftrag der Heilpädagogik im Sozialraum: Seifert beschrieb die Herausforderungen des Inklusionsprozesses und machte deutlich, wie den spezifischen Unterstützungsbedarfen von Menschen mit Beeinträchtigungen im Sozialraum mittels heilpädagogischer Kompetenzen entsprochen werden kann. Dr. Albert Müller von der Fachakademie Heilpädagogik in Würzburg entwickelte unter dem Titel „Inklusion und herausfordernde Realität - Brücken bauen“, Ideen zur inklusiven heilpädagogischen Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Dabei beschrieb er eine Haltung, die vor allem getragen ist von Verbundenheit und Rücksichtnahme, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und Bereitschaft zu selbstkritischer Reflektion.

Als dritter Redner sprach Prof. Wolfgang Praschak, Universität Hamburg, über die heilpädagogische Beziehungsgestaltung mit schwerstbehinderten Menschen in Zeiten der Inklusion. In seinem pointierten und lebendigen Vortrag deutete er die UN-Men-schenrechtskonvention für Menschen mit Behinderung durchgängig als Bildungsauftrag auch und gerade für Menschen mit hohem Hilfebedarf. In diesem Rahmen versteht er die elementaren Pflegevorgänge als notwendigen pädagogischen Prozess der ästhetischen Bildung. Der Erhalt und die Wiedergewinnung von Handlungsfähigkeit sind die Kernstücke des Prozesses.

In den verschiedenen Nachmittagsworkshops bestand Gelegenheit, die Themen der drei Vorträge zu vertiefen und ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde deutlich, dass die Praktikerinnen und Praktiker bereits über viele gute Beispiele berichten können, wo Menschen mit Unterstützungsbedarfen im Sozialraum angekommen sind und Teilhabe erleben können. Gleichzeitig sind noch viele Herausforderungen zu bewältigen, damit tatsächlich alle Menschen, auch diejenigen mit hohem Hilfebedarf, diesen Weg mitgehen können. Inklusion darf auch deshalb sozialpolitisch nicht als Sparprogramm instrumentalisiert werden. Auf der Ebene heilpädagogischer Professionalität bedarf es intensiver Lern- und Reflexionsprozesse, um Mitarbeitende für diese Aufgaben zu stärken.

(Michaela Wegener/red)

30.03.2014