Tontopia 10. bis 14. Juni 2020

Vorträge

Eine Übersicht über die Vorträge des Symposiums lesen Sie auf dieser Seite.

Der Neuronale Homunkulus: Mit der Hand ins Gehirn fassen
Kerstin Abraham

Denken und Tun – und wie sich beides zueinander verhält –  ist das Thema des ersten Vortrags zum Auftakt des Symposiums. Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn die Hände aktiv sind? Wie bahnt händisches Tun dem Neuen den Weg? Und was hat es mit dem „neuronalen Homunkulus auf sich?“

Im anschließenden Kurzworkshop ist Gelegenheit, den „neuronalen Homunkulus“ mit den eigenen Händen zu erfahren.

ERDEN! Vom Tonkloß zum Globus
Frauke Gerhard

Ton ist Erde. (Fast) jedem Menschen steht sie wie Luft und Wasser zur Verfügung, spricht uns an in vielerlei Gestalt, nimmt Spuren und Ideen auf, ist Dokument.  Der Dialog mit Ton ist Expression ist Denken ist Plastik. Der Vortrag verbindet anhand von Beispielen aus künstlerischen Versuchsanordnungen und partizipatorischen Projekten unerwartete Inspirationen mit tiefen Begründungen und Erweiterungen des Begriffs „Keramik“.

Im anschließenden Kurzworkshop entstehen praktisch handelnd kleine phänomenologische Experimente als Anregungen für die therapeutische und pädagogische Praxis.

Über die Hände zum Ich – Ton als Beziehungsstoff in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit (PädArT)
Ilse-Marie Herrmann & Karin Malaizier

Kinder, Jugendliche und Erwachsene  in ihren Entwicklungs- und Bildungsprozessen zu stärken ist das Anliegen des von Ilse-Marie Herrmann entwickelten pädagogischen Konzepts Pädagogische Arbeit am Ton - PädArT. Die Methode verbindet reformpädagogische und therapeutische Ansätze (Arbeit am Tonfeld® u.a.), entwicklungspsychologische Aspekte und Erkenntnisse aus der Gehirn- und Traumaforschung mit praktischen Übungen, Selbsterfahrungsprozessen und Situationstrainings. Der Vortrag zeigt auf, wie Ton als pädagogisches Material auf die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein einwirken kann. Vorgestellt werden neben den methodischen Elementen und Prinzipien auch Beispiele für die professionelle, feinfühlige und dialogische Begleitung in der praktischen Arbeit in Institutionen und anderen Settings.

Die Töpferei als WfbM
Gaby Heller & Verena Krezdorn

Seit vielen Jahren wird in der anthroposophisch orientierten Lebensgemeinschaft Bingenheim e.V.  getöpfert. Die Werkstatt für behinderte  Menschen (WfbM)  ist nicht einfach nur der größte hessische handwerkliche Betrieb für Gefäßkeramik, vielmehr versteht sich die Töpferei  als ein Ort des ganzheitlichen sozialen Miteinanders. Gaby Heller und Verena Krezdorn berichten aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz, wie vom Jugendlichen bis zum Töpfermeister, von der Tonerde bis zum kunsthandwerklichen Erzeugnis, hier gemeinsam gearbeitet wird.

Slow Art mit Ton
Delia Henss

Was als vorwitziges Experiment begann, ist längst zu einem Dauerbrenner für Studierende an der Hephata-Akademie geworden: „Forschen mit Erde“ als Unterrichtsaufgabe für angehende Erzieher*innen. Zahlreiche Jahrgangsstufen schwärmten bisher aus, um die eigene formbare Erde zu suchen. Der Vortrag fächert auf, wie daraus bemerkenswerte Situationen in Familien und mit Klienten entstanden.  Die damit angestoßenen pädagogischen Erkenntnisse und Impulse fließen ein in Thesen zu einer langsamen Kunst, eben „Slow Art“ mit Ton.

Ton als Werkstoff des biografischen Ausdrucks
Chajim Harald Grosser

Meister Chajim erzählt aus Jahrzehnten der Berufs- und Lebenserfahrung. Er absolvierte als fünfte Generation seiner Familie eine Lehre in der Meissner Porzellan-Manufaktur.

Er war Mitbegründer eines Vereins für Jüdische Kinder, die die Shoah überlebt haben. Seine Berliner Werkstatt „Yad Chanah“ steht allen Generationen zur Verfügung, die Freude an der Arbeit mit Ton finden. Wie schon mit kriegsgeschädigten Kindern aus Sarajewo ermöglicht er hier vor allem Kindern, zum Ausdruck ihrer Themen des Alltags und ihrer Identität zu finden. Ein biografischer Bericht über den Werkstoff Ton als soziales Element, Nährboden für Lebensbildung, als „Erzähler, Eingeweihter und Spiegel“ von Erlebnissen und Gedanken.

Nischenprodukt statt Grundversorgung!? Keramikangebote an Grundschulen
Christian Diller

Das keramische Arbeiten mit Kindern an Schulen gestaltet sich oft schwierig. Unzureichende organisatorische Voraussetzungen und Verantwortlichkeiten lähmen manch ein vielversprechendes Projekt. Dabei ist strukturiertes (fein)motorisches Lernen nötiger und aktueller denn je. Keramik bietet bei vergleichsweise geringem Aufwand ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten, das an Schulen aber häufig kaum ausgeschöpft wird. Der Erfahrungsbericht aus verschiedenen Schulformen und -systemen zeigt die ungeahnten Potenziale der Kinder, die Herausforderungen und Möglichkeiten der praktischen Umsetzung von keramischen Projekten in der Schule.

Der alte Hase spricht aus dem Werkzeugkästchen: Anlässlich des zehnten Symposiums  erzählt Christian von den ersten neun
Christian Sautier

Als Gründungsmitglied des kalkspatz e.V. hat Christian die vergangenen neun Symposien nicht nur miterlebt, sondern auch mitgestaltet. Vom Aufbruch in noch unvernetzten Zeiten bis zur Gegenwart lässt er Ereignisse, Erlebnisse und Gedanken Revue passieren – eine Schau zurück mit Dreh nach vorn…

Einander kreativ begegnen: Teamentwicklung und Supervision mit Ton
Marit Garrels

Was geschieht, wenn Ton und Arbeits-Teams in der Keramikwerkstatt aufeinandertreffen? Was als Verknüpfung der eigenen beruflichen Schwerpunkte begann, ist inzwischen ein in der Praxis bewährtes Konzept zur Teamentwicklung und im Coaching von Einzelklienten und Teams, die überwiegend im sozialen Bereich tätig sind. Der Vortrag zeigt an Beispielen auf, wie das Material Ton in der arbeitsweltbezogenen Beratung zum  Einsatz kommt, wie Aspekte der Zusammenarbeit im Prozess deutlich werden und welche Entwicklungspotenziale sich daraus für Teams ergeben.

Der Blick der Wissenschaftler in die pädagogische Wundertüte:  Das Potenzial der Experimentellen Archäologie als Mittel der Geschichtsvermittlung und (heil-)pädagogischer Arbeit
Michael Herdick

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz erforscht als Leibniz-Forschungsmuseum für Archäologie menschliches Verhalten von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter. Dadurch ergeben sich vielfältige Möglichkeiten eigene und fremde Verhaltenspraktiken zu reflektieren. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit des Labors für Experimentelle Archäologie (LEA) zur Entwicklung der Keramiktechnologie am Beispiel der Mayener Töpfereien. In diese Forschungen sind Akteure mit unterschiedlichen Lebens- und Berufsbiografien eingebunden, die mit ihrem individuellen Wissens- und Erfahrungsfundament Forschung und Vermittlung eine besondere Prägung geben. Welche Potenziale für die Vermittlung und die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen sich darüber hinaus für pädagogisch wie keramisch Tätige ableiten lassen, ist Thema des Vortrags.

13.12.2019