Hephata - Wir über uns

Informationen zu Leichter Sprache und Einfacher Sprache

Die Begriffe „Leichte Sprache“ und „Einfache Sprache“ wurden in Deutschland lange Zeit synonym verwendet.  Beide Begriffe meinen eine „nicht schwierige Sprache“, wenden sich aber an unterschiedliche Zielgruppen.

Leichte Sprache

Die Leichte Sprache wurde von Menschen mit Behinderungen für ihre eigenen Belange entwickelt. Sie richtet sich an Menschen, die geringe Lese- und Schreibkompetenzen haben, vor allem Menschen mit Behinderungen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Leichte Sprache für fünf Prozent der erwachsenen, deutschsprachigen Bevölkerung passgenau ist.

Einfache Sprache                

Die Einfache Sprache wurde vor allem von gesetzgebenden Institutionen und von Verbänden aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen vorangetrieben, um generell Lesebarrieren abzubauen. Sie ist allgemein zum besseren Verständnis von Texten aller Art gedacht und hat von Anfang an viele mögliche Leser im Blick. Hauptsächlich richtet sie sich an Menschen mit Leseschwierigkeiten, an ältere Menschen, an Menschen mit Migrationshintergrund, an Nicht-Muttersprachler und an Menschen, die nicht gerne lesen. Dabei gibt es verschiedene Stufen von Einfacher Sprache. Studien gehen davon aus, dass die einfachste Stufe der Einfachen Sprache von 95 Prozent der erwachsenen, deutschsprachigen Bevölkerung verstanden werden kann. Passgenau ist sie laut der leo.-Level-One-Studie der Universität Hamburg für 21 Millionen Erwachsene in Deutschland.

 

Der folgende Text ist in Einfacher Sprache geschrieben:

Die Hephata Diakonie veröffentlicht seit 2016/2017 ihre Jahresberichte in Einfacher Sprache. Einfache Sprache ist ein weiterer Schritt zur Inklusion. Inklusion bedeutet: Alle Menschen können überall in der Gesellschaft mitmachen. Dazu gehört auch, dass alle Menschen Zugang zu Informationen haben. Also müssen Ämter, Firmen und Einrichtungen Texte in Einfacher Sprache schreiben. 

Die Einfache Sprache ist verständlicher als die schwierige Sprache und anspruchsvoller als die Leichte Sprache. Die Faustregel der Einfachen Sprache lautet: Vereinfachen, Erklären, Weglassen. So können mehr Menschen mehr Texte leichter verstehen.  

Untersuchungen haben gezeigt: In Deutschland leben 21 Millionen Erwachsene, die Texte in schwieriger Sprache nicht gut lesen können. Für sie schreiben wir den Jahresbericht in Einfacher Sprache. Und Untersuchungen haben auch gezeigt: Fast alle Menschen freuen sich über Texte in Einfacher Sprache. Auch Menschen, die sehr gut lesen können. Also schreiben wir auch für sie den Jahresbericht in Einfacher Sprache.  Denn wir wollen, dass so viele Menschen wie möglich unseren Jahresbericht lesen.

Der Jahresbericht lohnt sich - in jedem Jahr! Hier bekommen Sie einen guten Überblick über die Arbeit der Hephata Diakonie. Der Jahresbericht ist eine Mischung aus Zahlen und Fakten, Nachrichten, Hintergründen und Lesegeschichten. Er richtet sich an Klienten, Patienten, Angehörige, Mitarbeiter, Vertreter, Partner, Spender, Freunde, Kostenträger und Auftraggeber. 

Alle diese Menschen haben Interesse an Hephata. All diese Menschen haben die Möglichkeit, die Einfache Sprache zu verstehen.

Wir sind gespannt, wie der Jahresbericht bei ihnen ankommen wird. Wir laden auch Sie ein, zu lesen und zu prüfen.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

Die wichtigsten Richtlinien der Leichten Sprache

In die Leichte Sprache wird nicht zwangsweise chronologisch und auch nicht eins zu eins übersetzt. Es werden die wichtigsten Aussagen eines Textes übersetzt.

  • Einfache Wörter.
  • Kurze Sätze.
  • Eine Information / Aussage pro Satz.
  • Keine Kommata.
  • Längere zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich unterteilen.
  • Zum Beispiel: Behinderten-Hilfe.
  • So wenige Fremdwörter wie möglich. So wenige Fachwörter wie möglich. Werden sie verwendet, müssen sie erklärt werden.
  • So wenige Abkürzungen wie möglich. Werden sie verwendet, müssen sie erklärt werden.
  • Keine Sonderzeichen. Zum Beispiel: „20 Prozent“ anstatt „20 %“.
  • Zahlen werden als Ziffern geschrieben. Große Zahlen werden gerundet.
  • Keine alten Jahreszahlen verwenden, sondern beschreiben. Zum Beispiel: „Vor vielen hundert Jahren“ anstatt „1344“.
  • Keine Fußnoten, keine Querverweise im Text.
  • Aktivsätze statt Passivsätze.
  • Subjekt + Prädikat + Objekt als Satzglieder-Reihenfolge.
  • Keine Redewendungen, keine Wortspiele oder Doppeldeutigkeiten. Zum Beispiel: „Hans hat viel Glück“ anstatt „Hans ist ein Glückspilz“.
  • Keine Fragen an den Leser stellen.
  • Gleiche Sache, gleiches Wort. Möglichst wenig Pronomen verwenden. Zum Beispiel: „Petra ist 40 Jahre alt. Petra spielt gerne Fußball“ anstatt „Petra ist 40 Jahre alt. Sie spielt gerne Fußball“.
  • Keine Verneinungen. Zum Beispiel: „Er ist hübsch“ anstatt „Er ist nicht hässlich“.
  • Texte sollten in einer Zeitform bleiben. Kein Präteritum verwenden. Zum Beispiel: „Ich habe gelacht“ anstatt „Ich lachte“.
  • Der Konjunktiv wird vermieden. Zum Beispiel: „Maria arbeitet gerne“ anstatt „Maria würde gerne arbeiten“.
  • Statt Genitiv den Dativ verwenden. Zum Beispiel: "Das Haus von der Familie" anstatt "Das Haus der Familie".
  • Absätze und Spiegelpunkte zur Gliederung. Wichtige Stellen oder Wörter können auch unterstrichen oder fett gesetzt werden, jedoch nicht kursiv.
  • Für das Layout gilt: Schnörkellose Schriftarten wie Arial oder Helvetica oder FS Me Pro verwenden. Schriftgröße von 14 Punkt, Zeilenabstand von 1,5, linksbündig. Keine Worttrennungen am Zeilenende.

Die wichtigsten Richtlinien der Einfachen Sprache

Auch in Einfacher Sprache wird nicht eins zu eins übersetzt, sondern werden die wichtigsten Aussagen eines Texts erfasst. Die Einfache Sprache ist komplexer als die Leichte Sprache.

  • Die Überschrift sollte Aufschluss über den Inhalt des Textes wiedergeben.
  • Der Text sollte logisch aufgebaut sein.
  • Informationen werden schrittweise angeboten.
  • Einfache Wörter. Da es Abstufungen der Einfachen Sprache gibt, bieten die Wortlisten des Goethe-Zertifikats A1, A2 und B1 des Deutschen Goethe-Instituts eine Orientierung, aber keine umfassende Definition.
  • Kurze und lange Sätze wechseln sich ab. Ein Satz hat nicht mehr als 15 Wörter.
  • Ein Satz besteht maximal aus einem Haupt- und einem Nebensatz. Keine Schachtelsätze.
  • Eine Information / Aussage pro Satz.
  • So wenige Fremdwörter wie möglich. So wenige Fachwörter wie möglich. Werden sie verwendet, müssen sie erklärt werden.
  • So wenige Abkürzungen wie möglich. Bekannte Abkürzungen sollte man beim ersten Mal ausschreiben, mit der Abkürzung in Klammern. Danach kann man diese Abkürzung benutzen. Zum Beispiel: Vereinte Nationen (UN).
  • Zahlen ab 13 werden in Ziffern geschrieben, es sei denn, es handelt sich um eine allzu lange Zahlenreihe. Zum Beispiel: 4 Millionen.
  • Keine Sonderzeichen. Zum Beispiel: „20 Prozent“ anstatt „20 %“.
  • Aktivsätze statt Passivsätze.
  • Subjekt + Prädikat + Objekt als Satzglieder-Reihenfolge, die aber auch hin und wieder durchbrochen werden darf.
  • Keine Redewendungen, keine Wortspiele, Metaphern oder Doppeldeutigkeiten. Zum Beispiel: „Hans hat viel Glück“ anstatt „Hans ist ein Glückspilz“.
  • Verben nicht substantivieren. Zum Beispiel: Der Hund bellt. Anstatt: Das Bellen des Hundes.
  • In erster Linie sollte der Text im Präsens stehen.
  • Keine Worttrennungen am Zeilenende.
  • Fragen an den Leser müssen sofort beantwortet werden.
  • Absätze, Zwischenpüberschriften und Spiegelpunkte zur Gliederung. Wichtige Stellen oder Wörter können auch unterstrichen oder fett gesetzt werden, jedoch nicht kursiv.
  • Für das Layout gilt: Schnörkellose Schriftarten wie Arial oder Helvetica oder FS Me Pro verwenden. Schriftgröße von mindestens 12 Punkt, Zeilenabstand von 1,15, linksbündig. Möglichst wenig Farben in einem Text verwenden.

Informationen zu den Sprachniveaus

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Spracherwerb (GER) des Europarates gibt den Maßstab des Sprachniveaus in sechs Kompetenzstufen wieder: A1, A2, B1, B2, C1 und C2. Das Sprachniveau deutscher Einbürgerungstestes liegt bei A2.Die meisten Organisationen, die sich mit Einfacher Sprache beschäftigen, kommunizieren auf der Kompetenzstufe B1, beispielsweise die Aktion Mensch. Auch der neue Jahresbericht der Hephata Diakonie ist auf dieser Kompetenzstufe.

A = Anfänger

Einfache Texte lesen und verstehen.

A1 ist die Stufe des ganz einfachen Textverständnisses. Hier ist die Leichte Sprache passgenau.
A2 ist die Stufe des einfachen Textverständnisses. Sie wird als notwendig erachtet, um am gesellschaftlichen Leben kommunikativ selbstständig teilnehmen zu können. Hier beginnt die Einfache Sprache.

B = Fortgeschritten

Alltägliche Texte lesen und verstehen.

B 1 ist die Stufe des schulisch und beruflich erforderlichen Verstehens alltäglicher Texte. 60 Prozent der erwachsenen Menschen in Deutschland verstehen dieses Sprachniveau. Hier ist die Einfache Sprache passgenau. Für dieses Sprachniveau ist auch die Tageszeitung „BILD“ konzipiert.
B2 ist die Stufe des gehobenen Sprachniveaus. Auf diesem Sprachniveau sind die regionale Tageszeitung und der bisherige Jahresbericht der Hephata Diakonie in Alltagssprache anzusiedeln.

C = Professionell

Komplexe Texte lesen und verstehen.

C1 ist die Stufe des komplexen Textverständnisses. Die meisten Behörden und Unternehmen kommunizieren auf C1. Beispielsweise auch das politische Wochenmagazin „Der Spiegel“.
C2 ist die Stufe des hochkomplexen Textverständnisses, beispielsweise die Kommunikation von Fachärzten auf einer Fachtagung mit Kollegen.

25.07.2019