Hephata-Freiwilligendienst

Weltwärts nach Hephata

13.062 km weit entfernt von Zuhause, frostig-winterliche Temperaturen obwohl dort gerade Sommer ist und statt Freunden und Familie eine Wohngruppe mit behinderten Menschen.

So sehr hat sich das Leben für Bruno Samuel Held Fuentes und Joaquin Alex Jesus Perez Riquelme in den vergangenen Monaten verändert: Seit August absolvieren die beiden 19-jährigen Chilenen den Evangelischen Freiwilligendienst der Diakonie „Weltwärts“. Ihr Einsatzort ist die Hephata-Behindertenhilfe am Adam-Martin-Weg.

Die beiden Freunde sind zusammen in der Stadt Frutillar in Chile aufgewachsen und kennen sich seit dem Kindergarten. Gemeinsam haben sie eine der vier deutschen Schulen in der Kleinstadt im Süden des Landes besucht und dort bis zu ihrem Abitur Deutsch gelernt. Nach einem Schüleraustausch im Jahr 2014 nach Deutschland wuchs bei beiden der Wunsch, noch einmal in die Ferne zu reisen und dort fürs Leben zu lernen: „Nach diesem Jahr werden wir andere, bessere Menschen sein“, ist sich Bruno Fuentes sicher. „Hier lernen wir selbstständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen.“

Es war kein leichter Schritt, alleine in die Fremde. Nicht nur der Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn bereitete den jungen Chilenen am Anfang große Schwierigkeiten. Ein fremdes Land, neue Kollegen und auch der tägliche Umgang mit Menschen mit Behinderung waren ungewohnt für die beiden. „Viele der Menschen, die wir betreuen, können nicht richtig kommunizieren. Man muss sehr sensibel sein und auf die Körpersprache achten, um herauszufinden, was sie wollen“, erklärt Bruno Fuentes. „Gleichzeitig hilft uns das aber dabei, die Sprachbarriere zu überwinden.“

Auch der Umgang mit den Deutschen sei am Anfang ungewohnt gewesen: „Wir wissen, es ist eine andere Kultur, aber wenn man fremd ist, wirken die Menschen hier erstmal sehr kalt,“ schildert sein Freund Joaquin Riquelme und fügt lachend hinzu: „Inzwischen fühlen wir uns aber sehr wohl und werden hier ganz toll unterstützt. Und wir lieben die deutsche Currywurst!“

Im Wohnverbund am Adam-Martin-Weg auf dem Hephata-Stammgelände in Treysa leben 33 Menschen mit Behinderung. Zu den täglichen Aufgaben der Freiwilligendienstler gehört neben  Pflege und Speisenzubereitung vor allem die Freizeitgestaltung. Sie gehen zusammen mit den Klienten spazieren, fahren Kettcar oder spielen Gesellschaftsspiele. Auch hier ist viel Einfühlungsvermögen gefragt: Es gibt kein starres Programm, die Stimmung der Klienten schwankt manchmal und dann haben sie eben mal keine Lust etwas zu unternehmen und blocken ab. Das erfordert viel Flexibilität und Fingerspitzengefühl.

Horst Knappe freut sich immer, die jungen Chilenen zu sehen. Am Nachmittag sitzen sie mit ihm in seinem Zimmer im großen Ohrensessel und lesen gemeinsam die Tageszeitung oder hören die Nachrichten im Radio. Dabei kann jeder etwas lernen: Der 83-Jährige, dem das Textverständnis schwerfällt und die jungen Chilenen, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen, um in ihrer Heimat an einem deutschen Institut zu studieren. „Es ist toll zu sehen, was hier alles für die Menschen gemacht wird“, sagt Bruno Fuentes, der in Chile auch einen Cousin mit Behinderung hat. „Bei uns bekommen junge Menschen mit Behinderung zwar eine Schulförderung, aber im Alter sitzen sie oft unbeschäftigt zuhause. Sie haben keine Arbeitsmöglichkeiten und werden nur von der Familie versorgt.“
Beide sind sich einig, dass die Arbeit, die sie hier erledigen, etwas Besonderes ist. Sie empfinden das Jahr in der Fremde als eine tolle Gelegenheit, neue Freunde kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Wenn der Winter vorbei ist und es nicht mehr so kalt ist, wollen sie auch die Städte Hamburg und Berlin besuchen. Durch den Freiwilligendienst haben sie schon jetzt Freunde aus der ganzen Welt gewonnen. Mit ihnen sind  junge Menschen aus Brasilien, Afrika und der Ukraine nach Deutschland gekommen, um ein Jahr lang freiwillige Arbeit zu leisten.

Hephata ist seit einem Jahr Partner in dem entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramm der Diakonie Hessen. 2017 sind insgesamt 20 junge Menschen aus dem Ausland nach Hessen gekommen, um die Diakonie Hessen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Alle Freiwilligen wurden am 1. Oktober mit einer großen Veranstaltung in Stadtallendorf begrüßt, unter ihnen auch Joaquin Riquelme und Bruno Fuentes. Die beiden sind gemeinsam mit 24 anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren, nach Hephata gekommen.

Ein Großteil der Freiwilligen arbeitet im Geschäftsbereich Behindertenhilfe. Aber auch in der Jugendhilfe, den Schulen, der Kindertagesstätte und dem Geschäftsbereich Soziale Rehabilitation sind helfende Hände immer willkommen. „Für uns ist das eine tolle Möglichkeit, weil wir so nicht nur willkommene Unterstützung bekommen. Im Rahmen von langfristigen Personalentwicklungsplanungen können aus  Freiwilligen  auch potentielle Mitarbeiter Hephatas werden“, erklärt Andreas Kämpfer vom Zentralbereich Personal, der die Betreuung von Auszubildenden übernimmt. Aber auch für die jungen Menschen lohnt sich seiner Meinung nach der Einsatz bei Hephata, „denn wir betreiben hier qualifizierte Arbeit am und mit Menschen und vermitteln diakonische Werte. Außerdem kann ein Freiwilligendienst helfen, eine berufliche Richtung für sich erkennen“, fügt er hinzu. Wohin die berufliche Reise für Joaquin Riquelme und Bruno Fuentes gehen soll, wissen die beiden noch nicht. Ihr Abenteuer am anderen Ende der Welt hat gerade erst begonnen.

Interesse am Freiwilligendienst?
Sie haben die Schule abgeschlossen und möchten Einblicke in soziale, pflegerische oder ökologische Aufgabengebiete bekommen? Dann sind Sie bei uns genau richtig.

Die Hephata Diakonie bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit einen Bundesfreiwilligendienst, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Freiwilliges Ökologisches Jahr zu machen und etwas für die Menschen oder Umwelt zu tun.

Mögliche Einsatzstellen in der Hephata Diakonie:

Integrative Kindertagesstätte
Behindertenhilfe Wohnen
Werkstatt für behinderte Menschen
Förderschulen
Soziale Rehabilitation
Alten- und Pflegeheim

Bewerbung für Freiwilligendienste (BFD, FSJ & FÖJ)

Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V.
Zentralbereich Personal
Sachsenhäuser Straße 24
34613 Schwalmstadt

 oder per Email an: sandra.well@hephata.de

26.02.2018 / sas