Besucher informieren sich über Talker

Vom Fach: Nadine Moos und Meike Stahl (vorne, von links) berichten Chung Chu Lin und Chia Chun Chang (hinten, von links) von ihren Erfahrungen mit der Unterstützten Kommunikation.

Hephata - Pressemitteilung

Die elektronische Quasselkiste

Besucher aus Taiwan lernten die Unterstützte Kommunikation näher kennen

Besuch von einer Ergotherapeutin und einem Physiotherapeuten aus Taiwan bekam kürzlich die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation der Hephata-Behindertenhilfe. Dabei gaben Nadine Moos und Isabel Hehr, Beschäftigte der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Praktikantinnen der Beratungsstelle sowie deren Leiterin Marion Springs einen Überblick über Talker, sprechende Tasten und den Alltag damit.

Chia Chun Chang und Chung Chu Lin arbeiten als Ergotherapeutin und Physiotherapeut für eine gemeinnützige Organisation in Taiwan. Die beiden beschäftigen sich mit zwei Kollegen innerhalb eines Projektes mit verschiedenen Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für behinderte Menschen. „Bei uns steht im Umgang mit Menschen mit Behinderungen die medizinische Versorgung im Fokus. Die meisten Menschen mit Behinderungen liegen im Bett und können sich oftmals nicht mitteilen“, sagt Chung Chu Lin.

Eine hohe Anzahl der Behinderungen von jungen Menschen werde in seinem Heimatland durch Verkehrsunfälle verursacht. „Es gibt viele Jugendliche, die in Pflegeheimen liegen oder von der Familie versorgt werden.“ Auch, weil es nur wenige spezielle Einrichtungen gebe und die Schulpflicht mit 15 Jahren ende. Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten seien deswegen für Menschen mit Behinderungen selten.

Vor diesem Hintergrund wollen Chia Chun Chang, Chung Chu Lin zeigen, dass es eine Palette von Assistenz und elektronischen Hilfsmöglichkeiten, wie die Unterstützte Kommunikation, gibt, die eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bedeuten. Sie besuchen dafür in Taiwan Institutionen und Betroffene zu Hause, um zu informieren und zu schulen. „Hilfsmethoden wie die Unterstützte Kommunikation sind in Taiwan zwar bekannt, aber nicht so populär wie hier“, sagt Chia Chun Chang. So wird das Projekt, für das die beiden arbeiten, nicht vom Staat unterstützt und muss sich aus Spenden finanzieren.

Nach Treysa kamen die beiden Besucher während einer gut dreiwöchigen Europareise. Sie besuchten unter anderem Lissabon, wo die „Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.“ gerade ihre alle zwei Jahre stattfindende Fachtagung ISAAC ausrichtete, und Marburg. In Marburg trafen sie Claudia Rohde von der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista). Claudia Rohde hatte von 2007 bis 2011 für eine Entwicklungsfirma in Taiwan gearbeitet und die beiden Therapeuten kennengelernt. Rhode stellte den Kontakt zu Meike Stahl her, die Beraterin für Unterstützte Kommunikation bei der „Prentke Romich GmbH“ in Kassel ist. Das Unternehmen vertreibt elektronische Kommunikationshilfen und Anwendungsprogramme. Gemeinsam kamen alle dann zu einem Besuch bei Hephata zusammen. Hier standen eine Stippvisite in den Hephata-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und den Förderstätten sowie ein Erfahrungsaustausch mit der Leiterin und den beiden Praktikantinnen der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation der Hephata-Behin-dertenhilfe auf dem Programm.

Nadine Moos führte dabei ihren Talker mit dem Programm „Quasselkiste 60“ vor. Moos bedient den Talker mit einem Sender auf dem Nasenbügel ihrer Brille. Insgesamt sind in der „Quasselkiste 60“ 1.500 Wörter, Sätze und Phrasen vorgespeichert. Nadine Moos hält damit mittlerweile eigene Vorträge zur Unterstützten Kommunikation. (me)

02.09.2014 / Melanie Schmitt