Die Akut-Therapie

Die Akut-Therapie kommt bei einem akuten MS-Schub zum Tragen. Ein akuter MS-Schub liegt zumeist dann vor, wenn Symptome zum ersten oder wiederholten Mal auftreten, länger als 24 Stunden bleiben, sich von selbst bessern oder sogar vollkommen verschwinden.

In der Akut-Therapie kommt die Kortison-Stoß-Therapie mit dem Wirkstoff Methylprednisolon zum Einsatz. Der Wirkstoff wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen intravenös verabreicht. Dies ist in unserem MS-Zentrum sowohl ambulant als auch stationär möglich. Der Wirkstoff wirkt entzündungshemmend und immunsupprimierend. Bei schweren Schüben ist eine Ausweitung der Therapie auf fünf Tage oder eine Wiederholung des Behandlungszyklus mit einer höheren Dosis möglich.

Bei besonders schweren Schüben ist zusätzlich eine Plasmapherese (Blutwäsche) nötig. Hier arbeiten wir mit dem Klinikum Kassel und dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg eng zusammen.

 

Die Langzeit-Therapie

Die Langzeit-Therapie versucht mit verschiedenen Wirkstoffen das Immunsystem so zu beeinflussen, dass die für die akuten MS-Schübe verantwortlichen Entzündungsreaktionen weniger stark oder weniger häufig ablaufen. Abhängig vom Schweregrad der MS werden dazu immunsupprimierende oder immunmodulierende Medikamente angewandt.

Bei der Immunmodulation wird das Immunsystem nicht gedämpft, sondern immunanregende und -dämpfende  Anteile wieder ins Gleichgewicht gebracht. Bei der Immunsuppression wird das Immunsystem medikamentös gedämpft, um die MS typischen Nervenentzündungen zu verhindern. Bei beiden Langzeit-Therapien sind ein frühzeitiger Therapiebeginn sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

Die Wahl der Langzeit-Therapie hängt zudem von der Form der MS ab. Grundlegend werden in eine schubförmig remittierende MS und in eine sekundär progrediente MS unterschieden. 

Bei der schubförmig remittierenden MS treten Schübe und Verschlechterungen auf, die sich wieder von selbst zurückbilden oder gar vollkommen verschwinden. Bei zirka 85 Prozent aller MS-Patient*innen wird zunächst diese Diagnose gestellt. Zwischen den Schüben können Monate oder Jahre vergehen, die Schübe können wiederum Tage, Wochen oder auch Monate anhalten.

Wir setzen in der Langzeit-Therapie der schubförmig remittierenden MS folgende Wirkstoffe ein:

  • beta-Interferone  
  • Glatirameracetat 
  • Dimethylfumarat 
  • Teriflunomid 
  • Azathioprin 
  • Cladribin 
  • Natalizumab 
  • Ocrelizumab 
  • Ofatumumab 
  • S1P-Modulatoren: Fingolimod, Ozanimod, Ponesimod 

Die sekundär progrediente MS ergibt sich häufig aus der schubförmig remittierenden MS. Sie ist gekennzeichnet von einer kontinuierlich fortschreitenden Zunahme der Symptome. Sie kann mit zusätzlichen Schüben oder auch ganz ohne Schübe auftreten.

Wir setzen in der Langzeit-Therapie der sekundär progredienten MS, in Abhängigkeit vom Verlauf, folgende Wirkstoffe ein:

  • Cladribin 
  • Interferon-β 1b sc
  • Ocrelizumab 
  • Ofatumumab 
  • Ponesimod 
  • Siponimod 
  • Mitoxantron
  • Siponimod 

Dr. Bernd Schade

Chefarzt & Facharzt für Neurologie, Schlafmedizin und Palliativmedizin

06691 18-2005
bernd.schade@hephata.de

Ergänzende Therapie

Unsere Patient*innen behandeln wir auch mit ergänzenden Therapien. Dabei erhalten die Patient*innen ein individuell auf sie abgestimmtes Behandlungskonzept.

 

Ergotherapie

Unsere beiden Ergotherapeutinnen führen mit den Patient*innen sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien durch. Ziel ist es, den Patient*innen ein möglichst eigenständiges Leben, eine aktive Freizeit- und Arbeitsgestaltung zu ermöglichen. 

Dabei stehen folgende Punkte im Fokus:

  • Defizite und Ressourcen der Patient*innen
  • Therapieziele der Patient*innen

Sowohl aktivierende als auch betätigungs- und handlungsorientierte Methoden kommen zum Einsatz. Dazu zählen:

  • Grafomotorisches Training
  • Handfunktionstraining
  • Neuropsychologisch orientierte Behandlungsverfahren in Zusammenarbeit mit der Neuropsychologie
  • Training und Hilfsmittelberatung für Aktivitäten des täglichen Lebens
  • Basale Stimulation
  • Wahrnehmungstraining
  • Sensibilitätstraining
  • Schwindeltherapie
  • Beratung und Aufklärung über ergotherapeutische Möglichkeiten nach der stationären Behandlung

 

Physiotherapie

Unsere drei Physiotherapeutinnen führen mit den Patient*innen sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien durch. Ziel ist es, physiologische Funktionsstörungen und Störungen des Bewegungsapparates zu beheben oder zu mindern.

Folgende physiotherapeutische Methoden kommen zum Einsatz:

  • Bewegungstherapie nach Bobath
  • Manuelle Therapie
  • Funktionelle Gangbildanalyse und Gehschule
  • Gleichgewichts- und Koordinationstraining
  • Pneumonie- und Kontrakturenprophylaxe
  • Mobilisation im Bett, an der Bettkante, in den Stuhl und in den Stand
  • Lagerung mit positiver Wirkung auf Vitalwerte und Muskeltonus
  • Hilfsmittelversorgung wird gemeinsam mit den Patient*innen erprobt und in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst für den häuslichen Bedarf vorbereitet
  • Lymphdrainage
  • Massage
  • Atemtherapie
  • Schwindeltherapie
  • Vibrationstraining mit dem Vibrationsboard
  • Kalt- Warmanwendungen, wie Wassertreten und Fango

Alexandra Mayer

Abteilungsleitung Ergo- und Physiotherapie

06691182015
alexandra.mayer@hephata.de