Zwischen diesen beiden Bestsellern liegt eine Produktpalette aus 60 verschiedenen Pinseln, Bürsten und Besen: Hand- und Tischbesen, Staubwedel und Schrankbesen, Kehrbesen in verschiedenen Breiten und Ausführungen, Hand- und Nagelbürsten, PC-Tastatur-, Abwasch- und Gläser-Bürsten - für drinnen und draußen, mit Natur- oder gefärbten Kunststoff-Borsten, in Kleinserien oder nach Kund*innenwunsch.

„Das ist schon ein Trend der vergangenen Jahre, dass viel mehr Individualität gefragt ist“, sagt Steffen Heinz. Ein Besen mit einem Gruß oder dem eigenen Namen versehen, die Borsten in Vereinsfarben, das gehört mittlerweile dazu.“ Genau wie die kontinuierliche Entwicklung neuer Ideen: In der Pandemie haben Hephatas Bürstenmacher*innen ihr jüngstes Produkt entwickelt – den „Streichelzwerg“: Eine Bürste mit langen Ziegenhaaren, die man entweder zum Streicheln, beispielweise bei der Babymassage, oder auch im Haushalt, um Staub aus den Ecken zu holen, verwenden kann. „Ziegenhaar eignet sich hier besonders gut, weil es eine natürliche Anziehungskraft für Staub hat“, weiß Heinz. Die Bürste kann somit für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden – ein weiterer Trend bei den Kund*innenwünschen.

„Beispielsweise werden bei uns die Borsten nicht geklebt oder eingeschossen, sondern per Hand eingezogen und damit widerstandsfähiger.“

Steffen Heinz, Arbeitsgruppenleiter

Genauso wie die Rückbesinnung auf natürliche Materialien. „Bei einigen Besen sind Kunststoff-Borsten die erste Wahl, ansonsten verwenden wir meistens Ziegen- oder Rosshaar in Naturfarben“, sagt Steffen Heinz. Die Besenstiele sind aus Eschenholz, das leicht und elastisch ist. Die Bürsten- und Besenköpfe sind aus unbehandelter Buche, die dank ihrer Gerbsäure selbstdesinfizierende Eigenschaften hat. „Wir setzen auf Handarbeit, Vielseitigkeit und Langlebigkeit“, sagt Heinz. „Beispielsweise werden bei uns die Borsten nicht geklebt oder eingeschossen, sondern per Hand eingezogen und damit widerstandsfähiger.“ Und die Bürstenmacher*innen sind offen, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen: Im Auftrag des St. Elisabeth-Vereins Marburg fertigen sie Pilgerstäbe in verschiedenen Größen.

Das Konzept scheint aufzugehen: Im vergangenen Jahr gewann der Straßenbesen der Bürstenmacherei den Universal Design-Preis. Und schon seit langem besteht eine Kooperation mit dem Bürstenmacher Hintz aus Marburg, der einen Teil seiner Produkte in der Bürstenmacherei herstellen lässt. „Wir sind ein altes Handwerk, das den Sprung in die Moderne geschafft und vieles verändert hat. Früher sind hier Reisig-Besen oder Stroh-Reisig-Besen gebunden worden. Heute verwenden wir Bronzedraht für das Einziehen der Borsten, früher waren das mit Pech getränkte Schnüre. Geblieben ist aber die anstrengende und zeitintensive Handarbeit, die unsere Kund*innen zu schätzen wissen“, so Heinz.

Das betrifft auch das Können der Beschäftigten der Arbeitsgruppe. Kristin Sakarjan (23) ist eine der Klient*innen, die hauptsächlich Babybürsten fertigt. „Ich habe hier vor zwei Jahren erst ein Praktikum gemacht und geschaut, ob es mir Spaß macht. Dann haben ich mit den Handbesen angefangen, weil die am einfachsten sind. Jetzt mache ich die Babybürsten.“ Ihr Kollegin Michaela Steinhoff-Damisch (47) ist schon seit sieben Jahren Bürstenmacherin. Sie ist für filigrane Tätigkeiten zuständig: „Die großen, roten Besen sind sehr anstrengend zu machen, die mag ich nicht so. Ich mag die weichen PC-Bürsten am liebsten.“

Gründung bereits im Jahr 1896

Die Bürstenmacherei ist eine Arbeitsgruppe innerhalb der Abteilung Industriemontage der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) des Hephata-Geschäftsbereichs Soziale Teilhabe in Treysa. In der Bürstenmacherei arbeiten elf Klient*innen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sowie ein Mitarbeiter. Die Klient*innen sind zwischen 23 und 60 Jahren alt. Der älteste Klient arbeitet bereits seit 38 Jahren in der Arbeitsgruppe. Die Bürstenmacherei ist die älteste Arbeitsgruppe der WfbM, ihre Anfänge gehen bis ins Jahr 1896 zurück.

Steffen Heinz

Arbeitsgruppenleiter

06691 18-1022
steffen.heinz@hephata.de