Hephata - Organisation

Schlaganfall-Behandlung

Die Hephata-Klinik hat eine spezialisierte Schlaganfall-Abteilung. Hans-Joachim Habich überstand einen Schlaganfall ohne Folgeschäden, weil er in der Hephata-Klinik schnell behandelt wurde.

„Komisch, die linke Hand kribbelt so.“ Hans-Joachim Habich sitzt an der Arbeit in der Frühbesprechung. Soll er jetzt deswegen rausgehen? Ach, was, vermutlich ist der Arm nur eingeschlafen. Doch aus dem Kribbeln wird ein Taubheitsgefühl, dann fängt auch der linke Oberschenkel an. Die Frühbesprechung ist zu Ende. Hans-Joachim Habich steht auf und kann nur noch schlecht laufen, das linke Bein knickt weg. „Da habe ich gemerkt, mit mir stimmt was nicht.“ Der damals 53-Jährige hatte einen Schlaganfall erlitten.

Seine Kollegen alarmierten den Sanitäter im Haus. Der stellte hohen Blutdruck fest und rief gleich den Rettungswagen, der den heute 54-Jährigen in die Hephata-Klinik brachte. Dort wurde er anderthalb Wochen in der Schlaganfallabteilung behandelt. Heute ist Hans-Joachim Habich wieder fit. „Herr Habich war gut zwei Stunden nach Auftreten der ersten Symptome bei uns in der Klinik. Leider ist es nicht die Regel, dass die Patienten so früh kommen“, sagt Neurologe Dr. Bernd Schade, einer von drei Chefärzten und Leiter der Schlaganfallabteilung der Hephata-Klinik.

Nur 33,8 Prozent der Schlaganfall-Patienten erreichten die Hephata-Klinik im vergangenen Jahr in den ersten drei Stunden. Viele Patienten nähmen die Symptome zunächst nicht ernst, warteten ab und verlören dadurch wichtige Zeit. „In den ersten drei Stunden, maximal in den ersten viereinhalb Stunden, sind die Therapieaussichten am besten“, so Schade. Denn dann kommt eine Lysetherapie überhaupt in Frage. Die Lyse-Therapie gilt als die effektivste Anzeige Behandlungsmöglichkeit eines akuten ischämischen Schlaganfalls. Diese Art von Schlaganfall kommt in 85 Prozent der Fälle vor und wird durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, das eine Hirnarterie verstopft. Diese Gerinnsel kann durch die Lyse-Therapie mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst werden.

Das Verfahren ist vor allem oft bei Schlaganfällen mit schwerer Symptomatik möglich, jedoch nicht bei allen Schlaganfällen. Eine Lyse-Therapie kann nur dann eingesetzt werden, wenn bestimmte Risikofaktoren ausgeschlossen sind, wie Magengeschwüre oder unkontrollierbarer Bluthochdruck. Die Ursachen des Schlaganfalls und Risikofaktoren für eine eventuelle Lyse werden unmittelbar nach Einlieferung durch neurologische Untersuchungen, Blutlaborwerte und eine CT- oder MRT-Untersuchung erhoben. Für diese Untersuchungen vergehen in der Hephata-Klinik meistens weniger als 45 Minuten. „Herr Habich war der ideale Patient, weil er keine Risikofaktoren für eine Lyse aufwies und wir schnell mit der Behandlung beginnen konnten“, so Dr. Bernd Schade.

Neue Zahlen der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen (GQH) belegen für die Hephata-Klinik eine überdurchschnittlich gute Lyserate: Im vergangenen Jahr wurden 15 Prozent der Patienten, die mit einem Schlaganfall in die Hephata-Klinik kamen, lysiert. Hessenweit waren es nur 13,1 Prozent. Beim Anteil der Schlaganfall-Patienten mit schwerer Symptomatik und kurzer Symptomdauer liegt die Behandlung mit dem Lyse-Verfahren in der Hephata-Klinik sogar bei 53,3 Prozent. Und auch dann, wenn eine Lyse nicht in Frage kommt, sind die Behandlungsmöglichkeiten am effektivsten, wenn sie schnell einsetzen. „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Ein unbehandelter Schlaganfall wächst, das bedeutet, es sterben immer mehr Nervenzellen ab“, so Schade. Schätzungen zu folge, sterben pro Stunde unbehandelter Schlaganfalldauer so viele Neuronen ab, wie sonst aufgrund normaler Alterung in 3,6 Jahren.

Hans-Joachim Habich wurde in der Schlaganfall-Abteilung der Hephata-Klinik lysiert. Dort steht ein interdisziplinäres Team aus Neurologen, Internist und Fachpflegern sowie Logo-, Physio- und Ergotherapeuten rund um die Uhr zur Verfügung. Die Abteilung verfügt über drei Akutbetten und 13 Plätze für die weiterführende Überwachung. „Ich war nach der Diagnose erst am Boden zerstört, auch weil ich nicht wusste, wie das ausgehen wird“, sagt Habich heute. Nach zwei Tagen kam das Gefühl in Arm und Bein wieder, zusehends ging es ihm besser. An die anderthalb Wochen in der Hephata-Klinik schlossen sich sechs Wochen Reha an. Dann konnte er zurück in sein altes Leben.

Seitdem geht er einmal im Quartal zum Hausarzt zur Kontrolle und nimmt blutverdünnende Medikamente. Aber ist seitdem wirklich alles beim Alten? „Nein, das hat mich schon verändert. Ich will mein Gewicht reduzieren, mache dreimal in der Woche Sport. Und ich esse auch gesünder.“ Ihm sei es zwar wichtig gewesen, wieder arbeiten gehen zu können, aber auch hier ziehe er heute andere Grenzen. „Ich habe in der Reha gesehen, was es bedeuten kann, wenn man zu spät kommt. Ich war zur richtigen Zeit schnell am richtigen Ort, das hat mich gerettet.“