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Hofladen vor Eröffnung: So helfen Sie mit

Die Corona-Pandemie hat die Eröffnung des neuen Hephata-Hofladens in der Fritzlarer Altstadt verzögert. Lesen Sie hier, wie der Laden zusätzlich zu wertvollen Lebensmitteln auch Perspektiven für Menschen mit seelischen Behinderungen bietet.

Ein warmer Sommertag geht zu Ende. Katharina Aue schlendert mit ihrer Freundin durch die Gassen der Fritzlarer Altstadt. Sie erzählt freudig von ihrem Tag, den Begegnungen und dem Erlebten. Die beiden jungen Frauen genießen die letzten Sonnenstrahlen und gönnen sich auf dem Heimweg ein Eis. Noch vor einiger Zeit wäre diese entspannte Art, den Tag ausklingen zu lassen, für die 24-Jährige undenkbar gewesen. Katharina ist an Schizophrenie erkrankt.

Erste Anzeichen zeigen sich bei ihr während der Pubertät. In der Schule kann sie sich nur schlecht konzentrieren, ist antriebslos und die Noten werden merklich schlechter. Zudem hört sie manchmal eine Stimme, die ihr eingibt, dass Mitschüler über sie lachen. In der Folge zieht sie sich immer mehr zurück. Ihre Freunde wenden sich von ihr ab, bis sie sich schließlich fast gänzlich isoliert. Sie ist mit sich und dem Alltag durchweg überfordert. Schließlich begibt sich Katharina in medizinische Betreuung. Nach einem Klinikaufenthalt zieht sie in eine stationäre Wohngruppe der Hephata-Sozialpsychiatrie in Fritzlar. Die junge Frau hat eine schwere Zeit hinter sich. Mehrere Jahre vergehen - doch durch die intensive Betreuung der Mitarbeitenden Hephatas ist Katharina heute in der Lage, mit ihrer Krankheit umzugehen.

Sie lebt selbstständig in einer Hephata- Außenwohngruppe und arbeitet in der Hauswirtschaft der Manufaktur Fritzlar mit. Zusätzlich macht sie am Wochenende ein Praktikum in einem Bio-Laden vor Ort. Noch vor einiger Zeit wollte sie nur zu Hause bleiben und nicht unter Menschen gehen. Dass sie seit der Betreuung durch Hephata so große Fortschritte macht, liegt daran, dass sie verlässliche Ansprechpartner und ein tagesstrukturierendes Umfeld hat. Nun möchte sie den nächsten Schritt machen und in eine Ausbildung in ihrem Traumberuf als Verkäuferin starten.

Der Hofladen erfüllt Träume

Katharina Aue übt mit Petra Göbert schon einmal das Einräumen der Lebensmittel

Menschen mit einer solchen Krankheitsgeschichte wie der von Katharina Aue haben es allerdings sehr schwer, einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Hephata möchte Menschen wie Katharina eine Möglichkeit zur Eingliederung in das Arbeitsleben bieten. Dazu gibt es bereits seit Jahren niedrigschwellige Arbeitsangebote in Werkstätten und Manufakturen. Die Klientinnen und Klienten können in den Bereichen Buchbinderei, Schreinerei, Versand, EDV, Metallverarbeitung, Montage oder Hauswirtschaft einer Tätigkeit nach ihren individuellen Möglichkeiten nachgehen.

In Fritzlar gibt es nun ein ganz neues Konzept: Mit einem Hofladen erhalten Menschen mit psychosozialen Erkrankungen die Chance auf Teilhabe am Arbeitsleben. Hier erhalten sie die Möglichkeit, sich realitätsnah unter pädagogischer Anleitung an eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt heranzuwagen. Diese Aufgabe strukturiert den Tag, steigert das Selbstbewusstsein und fördert soziale Interaktion und Integration.

Psychisch kranken und stressanfälligen Menschen bietet der Laden eine Möglichkeit, eine Tätigkeit im sozialen Umfeld auszuprobieren. Gleichzeitig präsentiert der Hofladen Hephatas Eigenprodukte aus den Werkstätten und der sozialen Landwirtschaft in einem kleinen Ladenlokal in der Fritzlarer Altstadt.

Hephata möchte mit dem Verkauf der Produkte mit dem Schwerpunkt auf Bio-Lebensmitteln der steigenden Nachfrage nach regionalen und ökologisch hergestellten Produkten entsprechen. Petra Göbert, Mitarbeiterin der Sozialpsychiatrie Fritzlar, leitet künftig die interessierten Klientinnen und Klienten bei den Aufgaben im Hofladen an. Schon jetzt übt sie mit Katharina Aue beispielsweise Verkaufsgespräche, bespricht den Einkauf der Produkte und erklärt das System, nach dem die Produkte eingeräumt werden.

Leider musste aufgrund der Corona-Pandemie die Eröffnung des Hofladens verschoben werden. Derzeit ist der Verkaufsstart für den Herbst geplant. Katharina Aue jedenfalls freut sich schon sehr darauf, dass es bald losgehen kann.

Die Zeichen stehen gut, dass Katharina Aue und weitere Klientinnen und Klienten mit einem Arbeitsplatz im neuen Hofladen dem Wunsch nach einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt ein Stück näher kommen. In die Einrichtung und Ausstattung des Ladens haben wir bereits 35.000 Euro investiert. Derzeit fehlt jedoch zum Beispiel noch eine professionelle Registrierkasse. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Produkte sind begrenzt. Um die Kosten für die Investition, den Betrieb und die Instandhaltung zu decken, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Mit Ihrer Spende – ganz gleich wie hoch – helfen Sie Menschen mit psychosozialen Erkrankungen und Behinderungen.