Hephata - Spendenprojekt

Einfach mitreden

Fröhlich begrüßt Nadine Moos den Besitzer des örtlichen Ladens mit einem einfachen Hallo. Ihr Körper strahlt Freude aus, während sie ihren Mund nicht bewegt. Sie beginnt ein Gespräch mit dem Verkäufer ohne selbst ein Wort zu sagen.

„Ich hätte heute gern ein Stück Salami“, spricht die elektronische Stimme für sie aus. Geschickt steuert die 36-Jährige einen Sprachcomputer mit gezielten Kopfbewegungen und einem Sensor auf ihrer Brille. Als Kind erkrankte Nadine Moos an einer Hirnhautentzündung. Seither ist sie körperlich stark eingeschränkt. Die Krankheit nahm ihr zudem die Fähigkeit flüssig und verständlich zu sprechen. Nur mit Mühe gelingt es ihr, eigens Worte zu formen. Eine ständige Hürde für die lebenslustige junge Frau. Der Sprachcomputer gibt ihr die Möglichkeit, sich verständlich auszudrücken. So kann sie ihren Alltag heute weitgehend selbständig bestreiten.

Nadine Moos nutzt den Sprachcomputer, um in ihrer Wohngruppe und am Arbeitsplatz in der Hephata-Werkstatt mitzubestimmen. Außerdem sucht sie so oft es geht mit anderen Menschen Kontakt. Sie sieht sich als Botschafterin vieler Menschen mit Sprachbehinderungen und will Vorurteile abbauen. Oft erlebt sie, wie überrascht ihr Gegenüber reagiert, wenn sie komplexe Themen ganz selbstverständlich mit ihnen diskutiert.

Viele Menschen mit Behinderungen zeigen ihre außergewöhnliche Persönlichkeit mithilfe technischer Unterstützung bei der Kommunikation. Für Menschen mit Sprachproblemen ist ein Sprachcomputer, der die Kommunikation unterstützt, das Mittel, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Soziale Kontakte und auch die alltägliche Mitbestimmung tragen zu deutlich mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit Behinderung bei. So ist dies oft der lang ersehnte Weg aus der Isolation.

Kommunikation ist das Mittel um Ziele, Wünsche, Freude, Trauer und Ideen auszudrücken. Darum ist Kommunikation ein Grundrecht für jeden Menschen. Wir möchten, dass die medienunterstützte Kommunikation für möglichst viele Menschen mit Spracheinschränkungen selbstverständlich wird, wie eine Brille, ein Hörgerät oder ein Rollstuhl.

Damit Menschen mit Behinderungen – am besten schon im Kindesalter - im kommunikativen Bereich besser gefördert werden, hat die Hephata Diakonie eine spezielle Beratungsstelle aufgebaut. Dort beraten wir ausführlich und auf die Bedürfnisse des Einzelnen bezogen bei der Auswahl geeigneter Hilfen.

Hierbei geht es um alle Hilfsmittel, mit denen Menschen sich ohne eigene Lautsprache mit ihren Mitmenschen austauschen können. Sprachcomputer sind eine Form davon. Auf dem Bildschirm befinden sich Tasten und Felder mit Symbolen zu verschiedenen Wortgruppen. Wörter und Satzbausteine können ausgewählt und zu einem Satz gestellt werden.

Erst dann zeigt sich oft, wie viel Potenzial in solchen Hilfsmitteln – und vor allem in den Menschen, die sie gebrauchen – steckt. Nadine Moos sensibilisiert zum Beispiel als Referentin in Fortbildungskursen  Betreuer von Menschen mit Behinderungen für die Möglichkeiten, die medienunterstützte Kommunikation bietet. Vielen Teilnehmenden wird im direkten Dialog mit Nadine Moos erst richtig klar: Auch in einem stark eingeschränkten Körper steckt oft ein kluger Kopf und eine beeindruckende Persönlichkeit.

Mit anderen Menschen sprechen zu können, ist die Voraussetzung zum Lachen, Mitbestimmen, Streiten, Ideen austauschen und mit Worten Poesie in den Alltag zu bringen. Moderne technische Geräte ermöglichen mehr Menschen mit Beeinträchtigungen diese Form der ureigensten menschlichen Teilhabe – für mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alltag.

Schenken Sie mit Ihrer Spende Lebensfreude, Selbstbestimmung und Teilhabe für Menschen mit Behinderungen!

05.06.2019