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Logout statt Knockout

Digitale Medien bieten viele Chancen. Wir zeigen Schülern, Lehrern und Eltern, wie man Computer, Smartphone und Co. sinnvoll nutzen kann.

Logout statt Knockout: Der Titel des neuen Projekts weist daraufhin, wie wichtig es ist, die virtuellen Welten häufiger mal zu verlassen und sich ganz und gar auf das wirkliche Leben zu konzentrieren. Allerdings sollen neue Medien in diesem Zusammenhang keinesfalls „verteufelt” werden. „Vielmehr sollen Tipps gegeben werden, wie man sie hilfreich anwendet”, erklärt Sascha Gömpel. Er war ab Anfang 2015 mit der Entwicklung des Projekts beauftragt und hat in diesem Zusammenhang viele Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern geknüpft. Es richtet sich an Schüler, Lehrer, Eltern und Vereine.

Zum Hintergrund des Projekts erläutert Rolf Muster, Geschäftsbereichsleiter Förderschulen: „Wir haben festgestellt, dass wir über unser Beratungs- und Förderzentrum immer häufiger von Lehrern allgemeinbildender Schulen angefragt werden wegen Problemen mit Mediensucht.” Bei Jungs gebe es demnach vermehrt das Problem des Abtriftens in so genannte Ego-Shooter-Spiele, bei denen es darum geht, sich gegenseitig abzuschießen. „In letzter Konsequenz ist dieses Phänomen häufig verbunden mit sozialer Abkopplung und schlechter werdenden Schulleistungen”, berichtet Muster. Bei Mädchen indes seien übermäßige Facebook-Nutzung und Cyber-Mobbing an Bedeutung gewinnende Probleme. Lehrer und Eltern seien damit häufig überfordert. „Unser Beratungs- und Förderzentrum will mit dem neuen Projekt hier konkrete Unterstützung anbieten”, so Muster.

Eltern sollen Wissensvorsprung der Kinder aufholen und neue Möglichkeiten entdecken

Unter dem Titel „Logout statt Knockout” stehen nunmehr unterschiedliche Beratungsmodule zur Verfügung. Unterschieden wird dabei zwischen theoretischen und praktischen Angeboten für Eltern, Lehrer und Schüler. „Die Eltern wollen wir dafür gewinnen, sich genauer dafür zu interessieren, was ihre Kinder im Internet überhaupt so alles machen”, erklärt Gömpel. Das Projekt soll ermuntern, nicht nur Verbote auszusprechen, sondern Alternativen aufzuzeigen. „Außerdem wollen wir Eltern helfen, den häufig vorliegenden Wissensvorsprung ihrer Kinder über Möglichkeiten des Internets aufzuholen”, betont der Pädagoge.

Bei den Angeboten für Lehrer geht es neben technischem Wissen von den Sicherheitseinstellungen des Schulnetzwerks bis zur Klassen-Cloud als digitalem Ort zur Ablage von Arbeitsblättern, Filmen und Grafiken auch um rechtliche Dinge. „Außerdem wollen wir erläutern, welche Möglichkeiten es gibt, Computer gezielt im Unterricht einzusetzen”, so Gömpel.

Bei den Projektmodulen für Schüler geht es um Themen wie Cyber-Mobbing, aber auch um Freundschaften im Internet und im realen Leben. „Wichtig ist, dass wir die Dinge als Lehrer nicht von vorneherein bewerten, sondern dass wir Fragen stellen”, findet Gömpel. Sinnvoll wäre in diesem Zusammenhang aus seiner Sicht, wenn Klassenlehrerstunden grundsätzlich zu einem Teil dafür genutzt würden, um über Erfahrungen im Internet zu sprechen. „Was gibt es aktuell für Themen bei Facebook?”, könnte dabei eine wiederkehrende Frage sein.

Wenn es darum geht, Alternativen zu überbordendem Medienkonsum aufzuzeigen, möchte Gömpel gerne die regionalen Vereine mit einbeziehen. Möglicherweise kann hier ein weiteres Beratungsmodul angeboten werden. „Dann könnten wir Vereinen zeigen, wie sie neue Medien gezielt nutzen können, um Kinder und Jugendliche auf ihre Angebote aufmerksam zu machen”, sagt der Schwalmstädter, der selber zur Einsatzabteilung der hiesigen Feuerwehr gehört. Denn eines ist aus seiner Sicht ganz besonders wichtig: „Wir müssen das regelmäßige Logout für die Schüler attraktiv machen.”

Das Projekt „Logout statt Knockout” wird durch die Glücksspirale gefördert. Zudem bittet Hephata um Spenden für das Projekt.

Interview zur Mediensucht

„Nutzer werden aggressiv und übellaunig“

Heike Eckert von der Beratungsstelle Jugend, Drogen und Sucht Hephatas

Johannes Fuhr: Woran erkenne ich, dass mein Medienkonsum oder der meines Kindes problematisch ist?

Heike Eckert: Normale Lebensgewohnheiten werden vernachlässigt, Verbote greifen nicht. Nutzer werden aggressiv und übellaunig, wenn Eltern versuchen, die Zeit vor dem Computer zu begrenzen. Wird der Computer ganz eingezogen, weichen die Nutzer auf andere Computer aus. Schule schwänzen kann vorkommen.Computerspielsucht ist noch keine anerkannte Diagnose. Sie wird unter den Impulskontrollstörungen und den Zwangsspektrumsstörungen zusammengefasst.

Fuhr: Was kann ich tun, damit Medienkonsum nicht zur Sucht wird?

Eckert: Zu Beginn können Maßnahmen wie Begrenzung der Nutzungszeit, zeitweiser Entzug des Computers, planen der Zeit des Jugendlichen mit sportlichen oder familiären Aktivitäten noch etwas bringen. Ist aber schon ein gewisses Suchtpotenzial erreicht, kann man mit solchen Einschränkungen eher das Gegenteil erreichen. Spätestens dann wird es Zeit, eine professionelle Beratungsstelle aufzusuchen.

Fuhr: Wie helfen Sie in der Beratungsstelle von Mediensucht Betroffenen?

Eckert: Diagnosebögen geben einen Anhaltspunkt, ob es sich um Missbrauch oder Abhängigkeit handelt. Bei Missbrauch versuchen wir zunächst, Begrenzungen auszuhandeln. Sollte bereits eine Abhängigkeit vorliegen, reichen die Maßnahmen von ambulanter bis stationärer Therapie.