Das Angebot richtet sich insbesondere an Kinder, die schwerwiegende Beziehungs- und Entwicklungsstörungen mitbringen und in einem größeren Gruppenzusammenhang überfordert wären. Die sorgeberechtigte Eltern der Kinder/Jugendlichen benötigen über einen längeren Zeitraum Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder.

Die jungen Menschen werden direkt in den Haushalt einer Familie aufgenommen und erhalten somit einen vorübergehenden und/oder auf Dauer angelegten neuen Lebensmittelpunkt und sicheren Ort außerhalb ihrer Herkunftsfamilie.

Das Aufnahmealter für die jungen Menschen liegt in der Regel bei fünf Jahren. Eine Aufnahme von Säuglingen und Kleinstkindern ist nach Bedarf ebenso möglich. Es leben maximal zwei Erziehungskinder in einer Familie.

Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche, wenn beispielsweise Familien, Väter oder Mütter mit der Aufgabe der Erziehung ihres Kindes nicht mehr allein zurechtkommen und diese Belastungen nicht aus eigener Kraft bewältigt werden können. Sind das Wohl und die Entwicklung des jungen Menschen nicht mehr gewährleistet, so ist eine Aufnahme eine sinnvolle Lösung.

Unsere familienintegrativen Wohngruppen arbeiten in diesem Fall mit den Eltern (entsprechend der Hilfeplanung), dem Jugendamt und mit anderen Kooperationspartnern zusammen. Die Aufnahme in einer familienintegrativen Wohngruppe wird, nach einem Antrag der Sorgeberechtigten (meist Eltern, Mutter, Vater, Vormund), von Seiten des Jugendamtes eingeleitet.

In einer familienintegrative Wohngruppe werden im Regelfall bis zu zwei Kinder/Jugendliche aufgenommen. Jeder junge Mensch bewohnt ein eigenes Zimmer. Der familiäre Lebensrahmen in der Familienwohnung wird von den Familienmitglieder und dem/den aufgenommenen jungen Menschen gemeinsam genutzt. Für die Betreuung der jungen Menschen steht ein/e Erzieher*in oder Sozialpädagog*in mit Berufserfahrung zur Verfügung.

Die Kinder/Jugendlichen erleben ein verlässliches, kontinuierliches Beziehungsangebot in diesem Lebenszusammenhang und sind in das Familienleben eingebunden. Alltag, Freizeit, Wochenenden und Ferien werden gemeinsam geplant und gestaltet. Dazu gehören auch Lernen für die Schule/Ausbildung und die Mithilfe bei der Hausarbeit. In den Oster-, Sommer- und Herbstferien bieten Mitarbeitende des Trägers Freizeiten für Kinder/Jugendliche an, die in den familienintegrativen Wohngruppen betreut werden.

Für unsere Arbeit ist wichtig, dass neben den Belastungen und Problemen vor allem auch die Stärken und Ressourcen der Betroffenen sowie ihres sozialen Umfeldes einbezogen werden. Diese Kind- und Elternorientierung, die Einbeziehung der manchmal auch unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen, ist die Voraussetzung dafür, dass im Rahmen der Hilfeplanung mit dem Jugendamt sowie in der individuellen Erziehungsplanung vereinbarte Ziele erreicht werden.

Wichtige Aufgaben der sozialpädagogischen Arbeit sind es, die Kinder und Jugendlichen in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und bei der Teilhabe in der Gesellschaft zu unterstützen. Sofern angestrebt ist, dass der junge Mensch in seine Herkunftsfamilie zurückkehrt, soll die sozialpädagogische Arbeit die Beziehungen und die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie verbessern. Ein Ziel kann auch sein, dass ein Kind und Jugendlicher eine längere Zeit in der familienintegrativen Wohngruppe lebt und anschließend auf ein selbständiges Leben vorbereitet wird. 

 

 

Einem Kind, das nicht das eigene ist, ein Zuhause schenken – das machen Pflegeeltern. Die werden händeringend gesucht. Die Hephata-Jugendhilfe hat eine Reihe aus mehreren Info-Modulen für potenzielle Erziehungsfamilien und Interessierte entwickelt. Start ist bereits im April. 

Dem Bedarf an Pflegefamilien sei kaum zu begegnen, sagt Daniela Seidemann-Schawer, pädagogische Leitung der Hephata-Jugendhilfe in der Region Nord. Wöchentlich erreichen die drei hessischen Regionalbüros der Hephata Diakonie in Kassel, Schwalmstadt und Limburg neue Anfragen von Jugendämtern, die eine Pflegefamilie für Kinder suchen. 

Mit der neuen modularen Einarbeitungsreihe haben nun Interessierte die Möglichkeit, sich zunächst unverbindlich, aber intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Wir wollen Familien motivieren“, sagt Bettina Weith, die durch die Einarbeitungszeit gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitenden führt. 

Die Einarbeitung dauert etwa vier Monate und ist „grundsätzlich erst mal für alle offen, die überhaupt die Bereitschaft besitzen, ein Kind in ihre Familie zu integrieren“, sagt sie. Während der Einarbeitungszeit nehmen die Familien noch keine Kinder auf. „Zunächst geht es nur um die Zusammenarbeit zwischen uns als Jugendhilfe und den Interessierten als potenzielle Pflegefamilien. Dabei können alle Beteiligten gemeinsam schauen, ob sie sich diese Kooperation vorstellen können“, sagt Weith. 

Und so sind die Module aufgebaut (die Treffen sind zwei Mal monatlich geplant):
1.    Modul: Zwei Fachberater*innen der Jugendhilfe organisieren ein Treffen bei einer interessierten Familie oder einem Paar. Es ist ein erstes Kennenlernen, bei dem das Umfeld der Familie im Fokus steht. „Das ist ein erstes, einfaches, nettes Treffen“, sagt Weith. Dabei wird auch schon auf die räumlichen Kapazitäten geschaut. „Voraussetzung ist beispielsweise ein Zimmer von zehn Quadratmetern, ohne dass der Rest der Familie zu sehr eingeschränkt ist.“ 

2.    Modul: Bei einem weiteren Treffen geht es um die Motivation dafür, ein Kind aufzunehmen. „Haben die Interessierten beispielsweise schon eigene Kinder und wünschen sich noch eines, oder haben sie kein eigenes Kind und haben einen Kinderwunsch? Das wären zu klärende Fragen“, sagt Seidemann-Schawer. Dabei setzen die Fachberater*innen auf Ehrlichkeit, denn: „Haben kinderlose Paare einen großen Kinderwunsch, müssen wir sie auch darauf hinweisen, dass die Kinder weiterhin das Recht haben, ihre Eltern zu sehen“, erklärt Seidemann-Schawer. „Im Grunde leben die Kinder bei ihnen auf Zeit. Für uns ist es natürlich wünschenswert, wenn sie das Kind genau so lieben, wie das eigene und gleichzeitig auch die Eltern des Kindes akzeptieren. Das ist emotional schwer“, sagt sie. 

3.    Modul: Mehrere Familien lernen sich bei einem Treffen innerhalb einer Gruppe kennen. Dabei wird methodisch gearbeitet, um Stärken und Schwächen kennenzulernen und sich gegenseitig zu helfen. „Wichtig ist währenddessen auch, dass wir dabei nichts beschönigen“, sagt Seidemann-Schawer. Die Kinder werden nicht grundlos über das Jugendamt an Pflegefamilien vermittelt. „Es geht um Kinder, die viele Herausforderungen mit sich bringen. Deswegen müssen wir auch schauen, ob die Familie die entsprechenden Ressourcen hat, um beispielsweise Auffälligkeiten beim Kind aufzufangen“, sagt Weith. Nicht zuletzt werden Konzepte zur Mitarbeit mit der Herkunftsfamilie erarbeitet. „Es gibt ein Besuchsrecht. Deshalb versuchen wir hier gemeinsam einen Prozess zu gestalten, um beiden Seiten entgegen zu kommen“, sagt Weith. 

4.    Modul: Im letzten Teil geht es dann um die Formalitäten. Zum einen um die beiden Modelle: Betriebserlaubnis und Pflegeerlaubnis. Bei einer Betriebserlaubnis, die erteilt wird, nehmen Familien ein Kind auf und sind dann mit einer halben Stelle als pädagogische Fachkraft der Jugendhilfe angestellt, erklärt Seidemann-Schawer. Bei einer Pflegeerlaubnis kommt es nicht zu so einer Anstellung, dann wird das Erziehungsgeld vom Jugendamt gezahlt. Weitere Formalitäten wie beispielsweise das polizeiliche Führungszeugnis werden bereits im Vorfeld geklärt. 

„Wir freuen uns über jeden, der auf uns zu kommt“, sagt Seidemann-Schawer. Mit den unverbindlichen Info-Modulen sollen vor allem erste Hürden genommen werden, sagt sie.


1.    Den Wunsch und die Bereitschaft zu haben, ein Kind in sein Leben zu integrieren. 
2.    Für das Kind sollte ein Zimmer von zehn Quadratmetern zur Verfügung stehen. 
3.    Es ist keine Voraussetzung, dass Interessierte verheiratet sind oder eigene Kinder haben. Auch unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare, Alleinerziehende oder Alleinstehende können grundsätzlich junge Menschen bei sich aufnehmen.
4.    Eine fachliche Ausbildung, beispielsweise als Erzieher oder Sozialarbeiter/-pädgagoge, ist vorteilhaft, jedoch keine Voraussetzung. 
5.    Interessenten sollten offen sein: Zu einem für die Bereitschaft für einen fachlichen Austausch mit Fachberatern. Außerdem müssen sie die Bereitschaft mitbringen, mit der Herkunftsfamilie zu arbeiten.
6.    Im Regionalbüro Nord der Hephata-Jugendhilfe können sich Interessierte aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern von Kassel melden. 
 

Leistungsart Hilfe zur Erziehung: Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform (§ 27 in Verbindung mit § 34 SGB VIII)Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (§ 35a SGB VIII) Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen (§ 42 SGB VIII). In den familienintegrativen Hilfen werden junge Menschen nach § 34, auch i.V.m. § 35 SGB VIII untergebracht. Die pädagogische Fachkraft ist als Mitarbeiter*in der Jugendhilfe angestellt.  
In den Erziehungsstellen werden die jungen Menschen auf der Grundlage des § 33 SGB VIII versorgt. Die Erziehungsperson wird vom regional zuständigen Jugendamt mit der Erziehung und Förderung des jungen Menschen betraut. 
Für beide Hilfeformen gelten gleichen Standards der fachlichen Anbindung an den Träger. Regelmäßigen Fachberatung der Familien, die Teilnahme an gemeinsamen Teamsitzungen, Fortbildungsmöglichkeiten und Supervisionsangebote gewährleisten diese Standards.

Pflegefamilien gesucht


Sie haben Interesse daran, einem Kind ein Zuhause zu schenken? Die Jugendhilfe Nord ist ganzjährig für Gespräche bereit. Über das Portal Pflegeeltern-hessen.de der Hephata Diakonie haben Sie außerdem die Möglichkeit, mehr über das Thema zu erfahren. Ansprechpartnerin ist Daniela Seidemann-Schawer, pädagogische Leitung Jugendhilfe Nord, Gießbergstraße 22, 34117 Kassel, Fax: 0561 766190-200, Mobil: 015206081025. 

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