
Neuanfang nach Gewalt
Gewalt hat viele Gesichter
- und sie nimmt Mädchen und jungen Frauen die Sicherheit. Wie junge Mütter Schutz, Halt und neue Perspektiven finden - und warum sie unsere Unterstützung brauchen
Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen ist kein Einzelfall. Sie geschieht täglich - oft im Verborgenen, oft tabuisiert und dennoch mitten in unserer Gesellschaft. Viele junge Frauen erleben körperliche, seelische oder psychische Gewalt, in Partnerschaften, in der Familie oder in Abhängigkeitsverhältnissen. Besonders belastend wird die Situation, wenn Kinder mitbetroffen sind oder Gewalt die erste Zeit des Mutterseins überschattet. Umso wichtiger sind geschützte Orte, die Sicherheit, Halt und neue Perspektiven bieten. Ein solcher Ort ist das Mutter-Kind-Zentrum der Hephata Diakonie in Diez. Hier finden junge Frauen und ihre Kinder Schutz, Unterstützung und Begleitung auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.
Umso wichtiger sind Orte, die Schutz, Sicherheit und neue Perspektiven bieten. Das Mutter-Kind-Zentrum der Hephata Diakonie in Diez ist ein solcher geschützter Raum. Hier erhalten junge Frauen und ihre Kinder Unterstützung, Begleitung und die Chance auf einen sicheren Neuanfang.
Als Alexa* mit ihren drei kleinen Kinder nach Diez kommt, ist sie erst 24 Jahre alt. Ihr jüngstes Kind trägt sie noch auf dem Arm. Hinter ihr liegen Jahre voller körperlicher und psychischer Gewalt in ihrer Partnerschaft. Erfahrungen, die viele Frauen teilen. “Oft suchen sich Frauen später unbewusst eine Partner, dessen Verhaltensmuster ihnen bereits vertraut sind - dazu gehört eben auch psychische und physische Gewalt", erklärt Svenja Richter, pädagogische Mitarbeiterin im Mutter-Kind-Zentrum.
*Namen geändert
„So geraten sie in einen Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist“
Mutter/Vater-Kind-Zentrum Diez
Das Mutter/Vater-Kind-Zentrum Diez ist eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe der Hephata Diakonie. Hier begleiten wir alleinerziehende Mütter oder Väter mit ihren Kindern in belastenden Lebenssituationen – insbesondere auch nach Krisen und Gewalterfahrungen. Ziel ist es, Eltern zu stärken, ihre Erziehungskompetenz zu fördern und Kindern ein sicheres und stabiles Aufwachsen zu ermöglichen.
Die Bezeichnung „Mutter/Vater-Kind-Zentrum“ beschreibt dabei den fachlichen Auftrag der Einrichtung und bedeutet nicht, dass Familien im Sinne von Mutter, Vater und Kind gemeinsam betreut werden. Vielmehr richten sich die Hilfsangebote über das Thema häusliche Gewalt hinaus an alleinerziehende Elternteile in unterschiedlichen herausfordernden Lebenslagen.
Auch in anderen Regionen Hessens begleiten wir von Gewalt betroffene Mädchen und junge Frauen - etwa in speziellen Mädchenwohngruppen, die Schutz, Stabilität und Entwicklung ermöglichen.
“Die Entscheidung kommt meist nicht von heute auf morgen - das ist ein langer Prozess, den die Frauen bis zum endgültigen Schluss durchlaufen." So war es auch bei Alexa. Über das Erlebte kaum spricht, aber für ihre Kinder die Kraft fand, einen neuen Weg zu gehen. Alexa verlässt ohne Ankündigung ihren Partner und bringt sich und die Kinder zunächst in einem Frauenhaus in Sicherheit. Von dort führt der Weg, gemeinsam mit dem Jugendamt, ins Mutter-Kind-Zentrum nach Diez.
Hier findet Alexa endlich das, was ihr lange gefehlt hat: Schutz, Stabilität und eine verlässliche Perspektive für sich und ihre Kinder.
“Zu Beginn geht es vor allem darum, Orientierung zu schaffen”, erklärt Svenja Richter. “Die Familien müssen zunächst verstehen, wo sie stehen und welche Unterstützung sie benötigen.”
Das Team begleitet Alexa und ihre Kinder auf diesem Weg eng und individuell. Gemeinsam werden Strukturen für den Alltag entwickelt, Behördengänge begleitet sowie Fragen rund um die Kita, Schule und die persönliche Zukunftsperspektive geklärt.
Schritt für Schritt kehrt Stabilität in das Familienleben zurück. Die Kinder gewinnen Vertrauen und Sicherheit, während Alexa zunehmend in ihrer Rolle als Mutter wächst und neue Zuversicht für die Zukunft entwickelt.
„Wenn der Alltag funktioniert und die Familien wieder Vertrauen in sich selbst entwickeln, merken wir, wie unsere Arbeit Früchte trägt.“




