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Haus Bickenbach

Einblicke aus Klingenberg: Vertrauen zwischen Backmobil und Gesprächen

Im Rahmen der Roadshow zum 125-jährigen Jubiläum Hephatas berichtet Sascha Hoffmann, der als „Geschichtenbäcker“ mit dem Hephata-Backmobil unterwegs ist, von seinen Eindrücken an verschiedenen Standorten. Der folgende Blogartikel aus dem Haus Bickenbach in Klingenberg am Main zeigt, wie Begegnungen, Vertrauen und Alltagsstrukturen das Leben der Menschen vor Ort prägen.

April 2026 - Das Hephata-Backmobil steht zu Füßen eines Weinbergs in Klingenberg am Main, als hätte es sich dort einfach so in die Sonne gestellt. Warmer Kuchenduft zieht über den Hof von Haus Bickenbach, irgendwo klappert Geschirr, Stimmen mischen sich mit Lachen. Und mittendrin steht Melitta Wolf, schaut sich um und sagt: „Hier muss man sich einfach wohlfühlen.“ Dabei war sie am Morgen noch skeptisch.

Backen in einer mobilen Küche, mit fremdem Geschirr, vielen Menschen auf engem Raum – das klang für sie eher nach Unruhe als nach Genuss. Doch dann gingen die Türen auf. Ordnung. Platz. freundliche Gesichter. Viele Hände. „Ich war begeistert“, sagt die Bickenbach-Klientin später und wirkt selbst noch ein wenig überrascht darüber.

Alkohol früh im Leben

Als Geschichtenbäcker horche ich bei solchen Sätzen auf. Also setzen wir uns mit zwei Tassen Kaffee an einen Tisch am Rand. Das Diktiergerät liegt zwischen uns, der Weinberg im Rücken. Melitta Wolf wirkt ruhig, gelöst. Es fällt ihr nicht schwer zu erzählen. Auch nicht über den Alkohol, der früh in ihr Leben trat und lange blieb.

Seit 2013 ist sie im Umfeld von Haus Bickenbach. Damals kam sie nicht aus Neugier. „Ich hatte kein Zuhause mehr“, sagt sie ruhig. Entgiftung in Lohr, warten auf einen Platz, schließlich die Entscheidung: hierher – oder auf die Straße. Sie entschied sich für die Hephata-Einrichtung und blieb – zunächst ohne wirkliches Ankommen. Sie kannte die Einrichtung schon von früher und hatte einen Platz einmal abgelehnt, weil sie sich hier nicht wohlfühlte. So war es auch diesmal. Rückfälle gehörten dazu. Wechsel zwischen Wohnformen. Schwierige Situationen. Doch alles sollte sich zum Guten wenden.

Trocken und glücklich

Heute ist die 66-Jährige seit einigen Jahren trocken. Wie lange, weiß sie gar nicht so genau. Aber sie weiß, was ihr hilft: Struktur. Gespräche. Menschen, die hinschauen. Und Aufgaben. Seit sechs Jahren lebt sie in ihrer eigenen Wohnung in Klingenberg. Morgens kommt sie trotzdem ins Haus Bickenbach. Zwischen acht und halb neun ist sie da, bleibt bis zum Nachmittag. Sie fährt andere Klientinnen und Klienten zu Arztterminen, übernimmt Einkaufsfahrten, wartet, bringt sie zurück. „Das hält mich stabil“, sagt sie. Und dass man ihr vertraut, bedeute ihr viel.

Wenn sie über Alkohol spricht, tut sie das offen. Mit fünfzehn der erste Rausch. Später Therapien, Rückfälle, lange trockene Phasen. 23 Jahre ohne Alkohol – bis ein vermeintlich harmloses alkoholfreies Bier den alten Kreislauf wieder öffnete. „Mein Rückfall war vorprogrammiert“, sagt sie heute.

Richtig glücklich sei sie erst seit drei Jahren, erzählt sie. Wegen ihrer Wohnung ohne Treppen. Wegen ihres kleinen Kabinenrollers. Wegen alter Freundschaften, die wieder da sind. Wegen der Wege, die wieder möglich wurden. Und dann sagt sie diesen Satz, ganz nebenbei, als wäre er nichts Besonderes: „Ich kam damals bei Hephata mit einem einzigen Koffer an, und heute fühle ich mich so unglaublich reich.“

Vertrauen und Kuchenduft

Vielleicht ist das der schönste Moment dieses ersten Roadshow-Tages in Klingenberg am Main. Nicht der Duft aus dem Ofen. Nicht der Weinberg im Licht. Sondern dieser eine Satz. Und die leise Erfahrung, dass hier etwas entsteht, das man nicht planen kann: Vertrauen. Vertrauen, das stark genug ist, um ganz frei über die eigene Geschichte zu sprechen. Fast so, als würde ein rollendes Backmobil eben nicht nur Kuchen, sondern auch Vertrauen backen.

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