
Blog: Offenes Angebot
Einblick in das Offene Angebot: Zwischen Dartpfeilen und Begegnungen
Im Rahmen der Roadshow zum 125-jährigen Jubiläum Hephatas berichtet Sascha Hoffmann, der als „Geschichtenbäcker“ mit dem Hephata-Backmobil unterwegs ist, von seinen Eindrücken an verschiedenen Standorten. Der folgende Blogartikel aus dem Offenen Angebot der Kinder- und Jugendhilfe in Treysa zeigt, wie Vertrauen oft ganz nebenbei entsteht
Juni 2026 - Eigentlich wollten wir über das Offene Angebot der Jugendhilfe sprechen. Doch Johannes „Hansi“ Romeike landet erst einmal in Brasilien. Fast zwanzig Jahre ist es her, dass der gelernte Schreiner für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Südamerika ging. Er erzählt von Menschen, die kaum etwas besaßen. Von gemeinsamen Teepausen. Von Herzlichkeit. Von einem Mann, der ihm sein Hemd schenkte, obwohl er selbst kaum mehr hatte als das. Und von der Erkenntnis, dass Glück oft erstaunlich wenig mit Besitz zu tun hat.
„Viele Leute, die nahezu nichts hatten, waren dort glücklicher als viele, die hier in Deutschland vermeintlich alles haben“, sagt Romeike. Es ist einer dieser Sätze, die einen Moment im Raum stehen bleiben. Vielleicht, weil sie etwas erklären. Vielleicht sogar, warum aus dem jungen Schreiner irgendwann ein Erzieher wurde.
Heute ist Johannes Romeike 36 Jahre alt und arbeitet in der Wohngruppe Kompass der Jugendhilfe. Doch wenn er über seine Arbeit spricht, fällt auf, dass er erstaunlich selten über Konzepte, Regeln oder pädagogische Methoden redet. Er spricht über Menschen. Über Beziehungen. Über Begegnungen. Und plötzlich sind wir doch beim Offenen Angebot.
Auf dem Gelände im Horschmühlenweg ist das Backmobil zu Besuch. Doch das ist längst nicht alles. Es wird Dart gespielt. Jugendliche sitzen zusammen, lachen, essen, ziehen fröhlich über das Gelände. Andere bemalen Steine oder probieren die Mitmachaktionen aus. Von außen betrachtet wirkt alles angenehm unspektakulär. Genau das ist die Idee.
Das Offene Angebot entstand nach der Corona-Zeit. Die Verantwortlichen suchten nach einer Möglichkeit, Jugendliche aus unterschiedlichen Wohngruppen unkompliziert zusammenzubringen. Ohne Anmeldungen. Ohne Verpflichtungen. Ohne den Druck, regelmäßig erscheinen zu müssen. Einfach ein Ort, an dem Begegnungen möglich werden. Romeike gehörte zu den Menschen, die das Angebot mit aufgebaut haben. Damals war er in der Partizipationsarbeit der Jugendhilfe aktiv. Dort wurde immer wieder deutlich, dass junge Menschen zwar viele Fragen und Probleme haben, sich aber selten an Menschen wenden, die sie nicht kennen.
Also entstand die Idee, zunächst über Sportangebote und später über die offenen Nachmittage einen niedrigschwelligen Zugang zu schaffen. „Die Kernessenz dieser Arbeit ist Beziehungsarbeit“, sagt Romeike. Ein Satz, der an diesem Nachmittag immer wieder auftaucht. Denn Beziehungen entstehen selten in offiziellen Gesprächen. Sie wachsen beim gemeinsamen Essen. Beim Tischtennis. Beim Dartspielen. In den kleinen Momenten dazwischen. Genau deshalb geht es beim Offenen Angebot nicht in erster Linie um Pizza, Hotdogs oder Freizeitaktionen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen miteinander in Kontakt kommen können.
Dass das funktioniert, zeigt sich oft erst Jahre später. Romeike erzählt von einem ehemaligen Schützling, der sich vor einigen Wochen meldete. Er wollte nichts Besonderes. Keine Hilfe. Keine Beratung. Er wollte einfach vorbeikommen und sein neues Auto zeigen. „Er war total stolz“, erzählt Romeike und lächelt. Vielleicht ist das einer der schönsten Momente in diesem Beruf. Zu sehen, dass junge Menschen ihren Weg finden. Zu erleben, dass Verbindungen bestehen bleiben. Und zu wissen, dass manchmal ein gemeinsamer Nachmittag mehr bewirken kann, als man in diesem Moment ahnt.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum Johannes Romeike ausgerechnet von Brasilien erzählt, wenn man ihn nach dem Offenen Angebot fragt. Weil es am Ende um denselben Gedanken geht. Um Menschen, die sich Zeit füreinander nehmen. Um Begegnungen. Um das, was entsteht, wenn jemand einem Fremden sein letztes Hemd schenkt. Oder wenn Jugendliche aus verschiedenen Wohngruppen für einen Nachmittag einfach zusammensitzen, essen, lachen und miteinander ins Gespräch kommen. Gemeinschaft eben.










