Hephata - Pressemitteilung
 
 
 
 
 
 
 
 

Hirnuntersuchungen an ehemaligen Heimkindern

Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt informiert über den Zwischenstand der Recherchen von Medizinhistoriker Prof. Dr. Volker Roelcke in alten Patientenakten aus den 1950er Jahren

MAIK DIETRICH-GIBHARDT, VORSTANDSSPRECHER DER HEPHATA DIAKONIE: 

„Die Hephata Diakonie hat die Aufarbeitung ihrer Geschichte um einen zusätzlichen Aspekt erweitert und den Medizinhistoriker Professor Dr. Volker Roelcke aus Gießen beauftragt, das Wirken von Professor Dr. Willi Enke als Chefarzt Hephatas in den Jahren von 1950 bis 1963 zu beleuchten und dabei insbesondere zu betrachten, auf welcher Grundlage Enke die Durchführung der so genannten Pneumoencephalographie, einer schmerzhaften Untersuchung des Gehirns, veranlasst hat. In seinem Zwischenbericht kommt Professor Roelcke zu dem Urteil, dass Enke Patienten auch zu reinen Forschungszwecken mit der Pneumoencephalographie untersucht hat.

Wir sind zutiefst darüber erschüttert, dass es im Hephata der Nachkriegszeit schmerzhafte und gefährliche Untersuchungen an Kindern gegeben hat, für die eine medizinische Indikation nicht erkennbar ist, sondern stattdessen ein völlig fehlgeleitetes Forschungsinteresse des seinerzeitigen Chefarztes den Ausschlag gegeben hat. Diese Vorgehensweise ist in hohem Maße verwerflich und mit dem Menschenbild der Hephata Diakonie in keiner Weise vereinbar. So, wie der Vorstand der Hephata Diakonie bereits vor fast zehn Jahren im Zusammenhang mit dem Runden Tisch Heimerziehung alle diejenigen um Entschuldigung gebeten hat, die in Einrichtungen Hephatas Leid und Unrecht erfahren haben, bitte auch ich hier und heute im Namen des gesamten Hephata-Vorstands um Entschuldigung für das menschenunwürdige Vorgehen des damaligen Chefarztes Professor Dr. Willi Enke.

Dass schon die seinerzeitige Besetzung der Chefarzt-Position mit Enke aufgrund dessen eindeutiger Vorbelastung aus der NS-Zeit mehr als problematisch gewesen ist, haben wir als Hephata Diakonie in den 1980er Jahren erstmals in einer Publikation dargestellt. Über Enkes Forschungsinteresse in den 1950er Jahren haben wir als Hephata zunächst 2009 einen Beitrag in einem Buch über die Geschichte der Hephata-Jugendhilfe veröffentlicht. Heute sind wir dankbar dafür, dass wir durch Hinweise aus den von der Evangelischen Kirche von Hessen-Nassau beauftragten Recherchen mit Professor Roelcke einen renommierten Medizinhistoriker gefunden haben, der die Zusammenhänge der damaligen Zeit insbesondere bezogen auf die Methode der Pneumoencephalographie wissenschaftlich fundiert einordnen kann und die noch vorhandenen Bewohner- und Patientenakten Hephatas aus den Jahren, in denen Enke Chefarzt gewesen ist, insgesamt betrachtet. Bis alle noch vorhandenen Akten durchgesehen sind, werden noch einige Wochen vergehen. Den Abschlussbericht von Professor Roelcke mit genauen Zahlen und allen Details werden wir dann in gewohnter Transparenz der Öffentlichkeit vorstellen und auf unserer Internetseite veröffentlichen.“

25.06.2018 / red