
Ein Geburtstag. Zwei Geschichten. Ein Zuhause.
Angelina und Philipp werden beide 31 Jahre alt. Im Wohnverbund Büdingen haben sie nach ganz unterschiedlichen Wegen Gemeinschaft, Sicherheit und ein Zuhause gefunden.
Büdingen - 31 Kerzen könnten heute auf zwei Geburtstagskuchen brennen. Einer für Angelina. Einer für Philipp. Beide werden an diesem Tag 31 Jahre alt. Beide wohnen im Wohnverbund Büdingen. Und doch könnten ihre Geschichten unterschiedlicher kaum sein. Die eine lebt seit zehn Jahren hier und freut sich am meisten, wenn die Familie zusammenkommt. Der andere fand erst nach schweren Jahren und dem Tod seiner Mutter den Ort, über den er heute sagt: „Ich bin hier angekommen.“
Im Hof liegt der Duft von frischgebackenem Kuchen in der warmen Sommerluft. Auf dem Tisch stehen Blümchen und Geschenke, irgendwo läuft Musik. Es ist einer dieser Nachmittage, an denen sich Alltag und Geburtstag ganz selbstverständlich vermischen. Angelina strahlt. Sie braucht nicht viele Worte, um zu zeigen, wie es ihr geht. Eigentlich spricht sie gar nicht. Dafür erzählt ihr Lachen umso mehr. Und wenn Musik erklingt, beginnt sie zu tanzen. Schon wenige Takte reichen. „Wenn ich ins Auto steige, mache ich als Erstes das Radio an“, erzählt ihre Mutter Martina. Musik mache das Leben einfach schöner.
Nach langem Suchen fand Sie ihren Platz in Büdingen
Seit August 2015 lebt Angelina im Wohnverbund Büdingen. Damals war sie die dritte Bewohnerin überhaupt. Mit 16 Jahren ist sie zunächst in eine andere Wohngruppe gezogen, die Sie als Erwachsene verlassen musste. Nach langem Suchen fand Sie ihren Platz in Büdingen. Heute ist daraus längst mehr geworden als eine Wohnadresse. Ein Zuhause.
Wer ihr beim Blättern durch ihr Fotoalbum zusieht, erkennt schnell, was ihr wichtig ist: Ausflüge, Tiere, gemeinsame Erlebnisse, Urlaube mit der Familie und Bilder mit den anderen aus dem Wohnverbund. Erinnerungen, durch die sie immer wieder reist. Und natürlich gutes Essen. Kuchen gehört für Angelina genauso zu einem gelungenen Geburtstag wie Würstchen vom Grill. Einrichtungsleiter Philipp Grein schmunzelt: „Sie ist eine leidenschaftliche Grillmeisterin, kaum fange ich an, steht sie neben mir.“
Dass sie heute hier lebt, sei nie gegen die Familie gewesen, sagt ihre Mutter. Im Gegenteil. Zuhause hätte sie die Rund-um-die-Uhr-Begleitung irgendwann nicht mehr leisten können. Vor allem aber habe Angelina hier etwas gefunden, was sich allein kaum ersetzen lasse: Gemeinschaft. „Sie kommt gerne nach Hause. Aber sie kommt genauso gerne wieder hierher zurück“, erzählt Martina. Ein schöneres Kompliment kann man einem Zuhause kaum machen.
„Mama wollte, dass sie mit einem guten Gefühl gehen kann“
Während Angelina weiter durch ihr Fotoalbum blättert, sitzt ein Stuhl weiter Philipp. Auch er wird heute 31 Jahre alt. Seine Geschichte beginnt ganz anders. Als seine Mutter schwer erkrankte, hatte sie nur noch einen großen Wunsch. Sie wollte wissen, dass ihr Sohn gut aufgehoben ist. Gemeinsam suchten sie einen Ort, an dem er sich wohlfühlen würde. Sie fanden ihn in Büdingen. „Mama wollte, dass sie mit einem guten Gefühl gehen kann“, erzählt Philipp ganz leise. Kurz darauf starb sie. Heute ist ihr Sohn überzeugt, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. „Ich bin hier angekommen.“ Es ist ein schlichter Satz. Und doch erzählt er fast seine ganze Geschichte.
Früher sei er sehr still gewesen, erzählt Philipp. „Seit ich hier wohne, geht der Mund auf“, sagt er und lacht. Er redet tatsächlich viel, malt, häkelt Schals, geht reiten – und kümmert sich um andere. Besonders um Angelina. Wenn sie Hilfe braucht oder im Haus unterwegs ist, hat Philipp sie oft schon längst bemerkt. „Ich passe auf sie auf“, sagt er ganz selbstverständlich.
Auch Einrichtungsleiter Philipp Grein erlebt ihn so: „Er ist ein hilfsbereiter, höflicher junger Mann, der sofort parat steht, wenn jemand Unterstützung braucht.“ Dabei verfolgt Philipp selbst ein großes Ziel. Nach gesundheitlichen Rückschlägen möchte er eines Tages wieder ohne Rollator laufen können. Dafür trainiert er regelmäßig. „Ich gebe nicht auf“, sagt er und ballt seine Hände zur Faust.
Für einen optimistischen Blick nach vorn
Vielleicht sind Geburtstage genau dafür da. Für einen optimistischen Blick nach vorn. Nicht nur, um Kerzen auszupusten oder Geschenke auszupacken. Sondern um einen Moment innezuhalten und zu sehen, was das Leben trotz aller Umwege bereithält. Für Angelina und Philipp ist dieser Weg längst noch nicht zu Ende. Aber beide haben in Büdingen etwas gefunden, das sich weder schenken noch kaufen lässt: Menschen, die sie begleiten. Einen Ort, an dem sie dazugehören. Und vielleicht das schönste Geschenk überhaupt – ein Zuhause.











