
Ein Fest ohne Promille
Beim Roadshow-Stopp in der Fachklinik Weibersbrunn wird nicht nur das 125-jährige Bestehen der Hephata Diakonie gefeiert. Für manche Patienten ist der Nachmittag ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück in den Alltag.
Weibersbrunn - Es gibt Orte, an denen Menschen ihr Leben neu beginnen. Nicht, weil sie es sich so ausgesucht haben. Sondern weil sie an einen Punkt gekommen sind, an dem es allein nicht mehr weitergeht. Die Fachklinik Weibersbrunn ist einer dieser Orte. Wer hier ankommt, bringt selten nur einen Koffer mit. Sondern die Geschichte einer Abhängigkeit. Den Wunsch, endlich aufzuhören. Schuldgefühle. Angst vor dem, was draußen wartet. Und die Hoffnung, dass dieses Mal etwas anders wird. Vielleicht zeigt sich Veränderung auch nicht immer dort, wo man sie vermuten würde. Manchmal zeigt sie sich zwischen Schneewittchentorte und Livemusik.
„Es war eine gelöste Stimmung, auch ohne Alkohol“
Patrick ist seit dem 10. April in der Fachklinik. Dass dieser Nachmittag in Erinnerung bleiben wird, liegt nicht nur an den süßen Leckereien, den Bratwürstchen oder der kleinen Band, die auf dem Klinikgelände spielt. „Es war eine gelöste Stimmung, auch ohne Alkohol“, sagt er. Gleichzeitig sei es für ihn durchaus seltsam gewesen, ohne Promille zu feiern. Dass ihn genau das bewegt, erzählt viel über den Weg, den Menschen hier gehen. Ein einfacher Satz. Und vielleicht einer, der besser als viele Erklärungen beschreibt, worauf die Behandlung in Weibersbrunn am Ende hinauswill.
Die Fachklinik begleitet alkohol- und medikamentenabhängige Menschen auf ihrem Weg in ein Leben in zufriedener Abstinenz. Nach einer Entgiftung beginnt hier die eigentliche Rehabilitation. In Gesprächen, Therapien und der Vorbereitung auf den Alltag geht es darum, wieder ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen – beruflich, sozial und persönlich.
Vom Küchendienst direkt weiter ins Backmobil
Dass dazu ein Sommerfest gehören kann, erlebt auch Kai. Der 47-Jährige ist seit drei Wochen in Weibersbrunn, zuvor hat er sechs Wochen in einer Entgiftungsklinik verbracht. Zunächst hilft er im Küchendienst, später ist er im Backmobil-Team dabei. „Man lernt sich dabei auch ein bisschen besser kennen“, sagt er. Besonders gefreut habe ihn, dass auch Klinikleitung und Mitarbeitende dabei waren, sogar gemeinsam gesungen haben. „Das hat die ganze Situation, die ganze Anspannung hier ein bisschen gelockert.“
Der Roadshow-Stopp in Weibersbrunn zeigt an diesem Tag, dass Therapie weit mehr ist als Einzelgespräche oder Gruppenstunden. Zwischen rollender Bäckerei und Hüpfburg entsteht etwas, das sich kaum planen lässt: ein Stück Normalität. Und vielleicht ist genau das die Erfahrung, die viele von diesem Nachmittag mitnehmen. Er verspricht nichts. Aber er zeigt, wofür sich der ganze Weg lohnt.









