
Ein letztes Mal: drei Tage, drei Geschichten, ganz viel Hephata
Plötzlich sind es nur noch drei Tage. Drei Tage, drei Stationen, drei Geschichten – und dann ist diese Roadshow tatsächlich vorbei. Ein Gedanke, der sich nach all den Wochen unterwegs noch ziemlich fremd anfühlt.
Seit Ende April bin ich mit dem Backmobil unterwegs. Ich habe an Kaffeetafeln gesessen, Werkstätten gesehen, Wohngruppen besucht, zugehört, gefragt, gestaunt und gelacht. Ich bin Menschen begegnet, von denen manche wahrscheinlich für immer in meinem Kopf bleiben werden. Menschen, die mir ihre Geschichten anvertraut haben – manchmal ganz nebenbei, manchmal mit einem Satz, der plötzlich mehr erzählt hat als ein langes Gespräch.
Und jetzt steht sie vor der Tür: die letzte Roadshowwoche.
Am Dienstag, 1. September, geht es dorthin, wo vieles zusammenläuft, das man von außen oft gar nicht sieht: zu Personal und Recht. Verträge, Löhne, Bewerbungen, Fortbildungen. Kurz: ziemlich viel von dem, was einen großen sozialen Träger im Hintergrund überhaupt erst am Laufen hält.
Am Mittwoch, 2. September, geht es um einen Weg nach draußen: um die Betriebsintegrierte Beschäftigung. Menschen mit psychischen Erkrankungen oder seelischen Behinderungen arbeiten dabei in regulären Betrieben – mit der Sicherheit der Werkstatt im Rücken und der Chance, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Mich interessiert vor allem: Wie fühlt sich dieser Schritt an? Was verändert Arbeit, wenn aus einem geschützten Rahmen plötzlich ein Platz mitten im normalen Berufsleben wird?
Und am Donnerstag, 3. September, wartet zum tierischen Abschluss noch einmal ein Ort, der wahrscheinlich nach Erde, Arbeit und ziemlich vielen Eiern riecht: der Biogeflügelhof Leuderode. Mehr als 950 Legehennen leben dort. 80.000 bis 100.000 Bio-Eier werden jede Woche verpackt und verschickt. Dahinter stehen Menschen mit Suchterkrankungen oder psychischen Erkrankungen, die hier arbeiten, Verantwortung übernehmen und Neues lernen – im Stall, in der Verpackung, im Büro, im Fahrdienst, bei der Brennholzherstellung oder draußen auf dem Gelände.
Drei Tage also noch. Drei sehr unterschiedliche Geschichten über Arbeit, Verantwortung, Chancen und darüber, was Teilhabe eigentlich bedeutet, wenn sie nicht nur in Konzepten steht, sondern jeden Tag gelebt wird. Und ganz ehrlich: Ich freue mich gerade ziemlich auf diese letzten Kilometer. Nicht, weil danach Schluss ist. Sondern weil ich inzwischen weiß, wie viel in einem einzigen Roadshowtag passieren kann. Dass aus einem geplanten Gespräch plötzlich eine Geschichte wird. Dass jemand einen Satz sagt, mit dem ich morgens noch nicht gerechnet habe. Dass hinter einer Tür etwas wartet, das auf keinem Ablaufplan steht.
Genau dafür bin ich losgefahren. Und genau dafür fahre ich diese Woche noch einmal los.
Noch drei Tage. Noch drei Stationen. Und noch längst nicht alles erzählt.