
Zwei, die ich schon lange auf dem Radar habe
Phil Schaller und Patrick Heidenreich sind zwei Künstler, bei denen Stillstand offenbar nicht vorgesehen ist. Ihre erstaunliche Entwicklung begleite ich seit Jahren – und natürlich bin ich auch am 10. September dabei, wenn beide bei den Hephata-Festtagen in Treysa auf der Bühne stehen, bevor HE/RO übernehmen.
Treysa – Es gibt Künstler, denen begegnet man einmal. Und es gibt welche, deren Weg man über Jahre immer wieder kreuzt. Man sieht sie auf kleinen Bühnen, später auf größeren. Man hört neue Songs, erlebt Richtungswechsel, Zweifel, mutige Entscheidungen. Und irgendwann sitzt man da und denkt: Mensch, wie weit die gekommen sind.
Bei Phil Schaller und Patrick Heidenreich ist das für mich genauso.
Beide begleite ich seit Jahren immer wieder journalistisch – und beide haben mich auf ganz unterschiedliche Weise beeindruckt.
Bei Phil ist es vor allem diese beinahe unbändige Kreativität. Bei ihm habe ich oft das Gefühl, dass im Kopf schon der nächste Song entsteht, während der aktuelle noch läuft. Dass da ständig Ideen sind, Melodien, Bilder, Pläne. Er schreibt, produziert, probiert aus, verwirft, baut neu zusammen. Musik ist bei ihm kein Projekt. Sie scheint eher ein Zustand zu sein.
Warten auf den großen Durchbruch
Ich habe Phil erlebt, als er mit 14 nach The Voice Kids plötzlich zwischen Homeschooling, Studio und Fernsehterminen jonglierte. Zwei Jahre später ging er mit Udo Lindenberg auf Tour und wirkte dabei erstaunlich selbstverständlich in einer Welt, die für andere vermutlich einschüchternd gewesen wäre. Wieder später saß er in den Abbey Road Studios und arbeitete an seinen eigenen Songs. Und irgendwann habe ich aufgehört, mich zu fragen, ob Phil der große Durchbruch gelingt. Ich warte eigentlich nur noch darauf, wann er kommt.
Nicht, weil ich ihm etwas schönreden möchte. Sondern weil ich über Jahre beobachten konnte, wie viel Arbeit, Ehrgeiz und musikalische Neugier dahinterstecken. Beim Hessentag 2024 sollte er eigentlich Support für Matthias Reim sein. Reim sagte ab – und plötzlich war Phil selbst Hauptact. Er ging raus, spielte und sang diesen Satz: „Bin nicht mehr der, der ich mal war.“ Selten hat eine Zeile so gut zu einem Künstler gepasst. Denn Phil verändert sich ständig. Nicht, weil er jedem Trend hinterherläuft. Sondern weil Stillstand offenbar überhaupt nicht zu ihm passt.
Bei Patrick Heidenreich ist es etwas anderes, das mich beeindruckt. Patrick erfindet sich ebenfalls immer wieder neu. Aber bei ihm geht der Blick nie nur nach innen. Er macht Musik, will Menschen erreichen – und öffnet dabei immer wieder Türen für andere. Nachwuchstalenten eine Bühne zu geben, sie mitzunehmen, ihnen Chancen zu verschaffen: Das gehört für ihn genauso dazu wie der eigene Auftritt.
Er hat keine Angst vor Gefühlen.
Inzwischen geht das noch weiter. Als Präventions- und Sozialkompetenztrainer will Patrick Kinder und Jugendliche stärken, ihnen Selbstvertrauen geben und sie dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden. Auch das passt zu ihm. Denn Patrick besitzt etwas, das in einer Branche voller Hochglanz und Selbstinszenierung fast schon ungewöhnlich wirkt: Er hat keine Angst vor Gefühlen.
Ich habe ihn über den Tod seines Onkels sprechen hören, der ihn seit seiner Kindheit unterstützt hatte und dessen Verlust ihn beinahe dazu brachte, die Musik aufzugeben. Patrick versteckte diese Trauer nicht. Er sprach darüber – offen, verletzlich, ohne daraus eine Inszenierung zu machen. Schon damals schrieb ich: „Tränen sind für ihn kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.“
Später kam sein musikalischer „Reset“. Weg vom Schlager, hin zu einem Pop, der persönlicher, ehrlicher und näher an ihm selbst ist. „Ich war schon ehrlich – aber ich wollte noch ehrlicher sein“, sagte Patrick über diesen Schritt. Auch das braucht Mut. Sich neu zu erfinden, ist schließlich leicht gesagt. Viel schwerer ist es, einen funktionierenden Weg tatsächlich zu verlassen, weil man spürt: Das bin ich nicht mehr.
Und dann gibt es da noch diese schöne Verbindung zwischen beiden: Phil und Patrick sind längst nicht nur Kollegen, sondern enge Freunde. Als Patrick seinen „Reset“ suchte, saßen die beiden gemeinsam im Studio. Phil sagte zu ihm: „Sag mir, was du fühlst.“ Aus Gesprächen wurden Töne, aus Tönen ein Song.
Wie aus Talent etwas Eigenes geworden ist.
Jetzt stehen sie bei den Hephata-Festtagen gemeinsam auf der Bühne. Und darauf freue ich mich ganz besonders. Nicht nur, weil da zwei Künstler aus unserer Region spielen. Sondern weil ich bei beiden über Jahre beobachten durfte, wie aus Talent etwas Eigenes geworden ist. Wie man sich häutet. Wie man Zweifel aushält. Wie man sich traut, einen Weg zu verlassen, obwohl er eigentlich funktioniert. Und wie man irgendwann nicht mehr das macht, was von einem erwartet wird, sondern das, was wirklich nach einem selbst klingt.
Dass danach ausgerechnet HE/RO auf die Bühne kommen, passt fast schon zu gut. Auch Heiko und Roman Lochmann wissen schließlich ziemlich genau, wie sich ein Neustart anfühlt.
Phil. Patrick. HE/RO. Drei Geschichten über Aufbruch, drei ziemlich unterschiedliche Wege – und ein Abend, auf den ich mich schon jetzt freue. Am 10. September stehen sie alle auf der Hephata-Bühne in Treysa. Und ich werde als Geschichtenbäcker ziemlich sicher irgendwo davor stehen. Hin und wieder wohl auch dahinter. Mit Kamera, Block – und vermutlich längst der nächsten Geschichte über unsere „Local HE/ROes“ im Kopf.
Tickets gibt es unter hephata.de/festtage sowie unter Telefon 06691/18-131.







