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Zwischen Kuchenkrümeln und großen Momenten

Sie ist die gute Seele des Backmobils, die heimliche Chefin – und diejenige, die immer alles im Blick hat. Lisa Ute Schmitt hält seit Monaten diesen kleinen rollenden Ausnahmezustand zusammen – und hatte heute zur offiziellen Eröffnung des Regionalbüros Nord des Geschäftsbereichs Jugend-, Familien- und Berufshilfe in Kassel mit über 150 Gästen alle Hände voll zu tun.

 

Kassel/Schwalmstadt – Sie sieht das Mehl fliegen, das schmutzige Geschirr wachsen und weiß meistens schon, welches Blech als Nächstes gebraucht wird. Während in und rund ums Backmobil gerührt, probiert, geredet und gelacht wird, läuft bei Lisa Ute Schmitt noch ein zweiter Film: Was fehlt? Was muss weg? Was kommt gleich? Wo braucht jemand eine Hand? Die 32-Jährige ist die heimliche Chefin dieses violetten Mikrokosmos, allerdings eine, die von ihrem Titel vermutlich nichts wissen will. Sie steht nicht herum und dirigiert. Sie macht. Und wenn im allgemeinen Gewusel tatsächlich einmal der Zucker im Kuchen fehlt, wird aus der Panne bei Lisa eher eine sympathische Geschichte als ein Drama. Passiert ist es jedenfalls schon. Geschadet hat es der Bilanz nicht: „Es hat bisher noch jeder ein leckeres Stück Kuchen bekommen.“

Dass ausgerechnet sie einmal mit einer rollenden Backstube durch die Hephata-Welt fahren würde, gehört zu diesen Lebenswegen, die im Rückblick viel logischer aussehen als in der Planung. Lisa hat in der Altenpflege gearbeitet, später im Sekretariat der Öffentlichkeitsarbeit, davor war sie bei der Bundeswehr Transportsoldatin beziehungsweise Materialbewirtschaftungssoldatin. Als für das Jubiläumsjahr jemand gebraucht wurde, der große Fahrzeuge fahren kann, Organisation nicht mit dem Sortieren von Büroklammern verwechselt und im Umgang mit sehr unterschiedlichen Menschen nicht nervös wird, passte plötzlich erstaunlich viel zusammen. Backen konnte sie immerhin auch ein bisschen. „Ich habe da Jahre drauf hingearbeitet“, sagt Lisa und lacht. Ein Satz, so trocken serviert, wie ihr Humor überhaupt oft daherkommt.

„Auf das Gesamtgewicht kommt es an“

Was von außen betrachtet meist nach einem schönen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen aussieht, beginnt für sie lange vorher. Einkäufe müssen geladen, Dauerbackwaren und Waffelteig abgeholt, Wäsche verstaut und manchmal noch schnell getankt werden. Vor der Abfahrt wandert der Blick durch das Fahrzeug: alles verschlossen, alles sicher, keine Kühlschranktür, die sich unterwegs selbstständig machen könnte. Das Backmobil bietet erstaunlich viel Stauraum – fast zu viel, denn hinein passt mehr als mitfahren darf. „Auf das Gesamtgewicht kommt es an“, weiß die Expertin. Dann geht es auf Tour, meistens so, dass der Truck rund zwei Stunden vor Beginn vor Ort steht. Dann das gleiche Spiel wie immer: aufbauen und backen, immer wieder sauber machen und am Ende wieder auf Anfang. „Es ist anstrengend, ja“, sagt Lisa. Und damit ist die Sache für sie eigentlich auch schon erzählt.

Dabei sind es ausgerechnet nicht die langen Tage, über die sie am liebsten spricht. Und auch nicht die Kuchen. Womit Lisa nicht gerechnet hatte, waren winkende Menschen. Menschen, die draußen vor einer Wohngruppe stehen, wenn das Backmobil vorbeifährt, den violetten Truck erkennen – und inzwischen auch die Frau am Steuer. Oder Gesichter, die sie Wochen später wieder sieht und die sich sichtbar freuen, dass sie wieder da ist. Lisa erzählt davon mit einem beinahe entschuldigenden „Das sind so Kleinigkeiten“. Als seien es Kleinigkeiten, wenn jemand sich freut, dass man zurückkommt. Sie erzählt von Menschen, die dem Backmobil mit einem Freudestrahlen entgegengehen, und von denen, die sich das Backen zunächst nicht zutrauen und hinterher überrascht feststellen, dass unter ihren Händen tatsächlich etwas entstanden ist. Genau diese Momente hatte Lisa nicht vorausgesehen, als die Roadshow noch eine Idee auf Papier war.
Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum die „gute Seele“ bei Lisa nicht nach Ehrentitel klingt. 

„Da sind schon ein paar Schnuckis dabei“

Den Menschen begegnet sie genauso unaufgeregt, wie sie mit den kleinen Katastrophen eines Backmobil-Tages umgeht: aufmerksam, zugewandt und ohne jemanden größer oder kleiner zu machen, als er ist. Berührungsängste hatte sie durch ihre Zeit in der Altenpflege kaum. Nur Kinder waren für sie anfangs eine andere Welt – sie selbst hat keine, beruflich war sie zuvor eher mit älteren Menschen vertraut. Ausgerechnet aus der Kinderwohngruppe Diez ist nun etwas geblieben, das im Büro einen schönen Platz bekommen soll: ein Bild auf Leinwand, das die Kinder für das Backmobil gemalt haben. Und wer Lisa nach ihrem liebsten Menschen auf der Tour fragt, bekommt ohnehin keine Rangliste. „Da sind schon ein paar Schnuckis dabei“, sagt sie und weigert sich charmant, einen davon herauszupicken.

Vielleicht passt auch das zu ihr. Lisa hat den ganzen Sommer über andere im Blick gehabt: die, die mitbacken wollten, die Hilfe brauchten, die einfach erzählen wollten. Sie hat geschaut, dass alles läuft, dass niemand untergeht, dass aus einem vollen Nachmittag kein Chaos wird. Und während rings um das Backmobil Geschichten entstanden, war sie selbst meistens im Hintergrund – obwohl ohne sie vieles davon gar nicht erst hätte entstehen können.

 „Das ist so mein Abendritual“

Irgendwann ist auch für Lisa Feierabend. Wirklich Feierabend. Dann kommt sie nach Hause, und wenn der Geschichtenbäcker schon geschrieben hat, schaut sie noch einmal hinein in diesen Tag, den sie selbst gerade erst hinter sich gebracht hat. „Das ist so mein Abendritual“, sagt sie. Den ganzen Sommer über hat sie dort die Geschichten der anderen gelesen – die Menschen, die Begegnungen, all das, was rund um das Backmobil passiert ist.

Diesmal wird sie sich beim Lesen selbst begegnen. Der Frau, die immer alles im Blick hat. Die den Truck fährt, das Chaos bändigt, die kleinen Pannen auffängt und dafür sorgt, dass am Ende genau das bleibt, worum es bei dieser Roadshow eigentlich geht: ein guter Nachmittag, ein bisschen Stolz, ein Wiedersehen, ein Winken. Und vielleicht merkt Lisa dann beim Lesen etwas, das für alle anderen längst ziemlich offensichtlich ist: Dass sie nicht einfach nur Teil dieser Reise war. Sie war eine ihrer wichtigsten Konstanten. Die gute Seele. Die heimliche Chefin. Mehr noch: Ohne Lisa wäre das Backmobil in diesem Sommer nicht das Backmobil gewesen, das so viele Menschen ins Herz geschlossen haben.

DANKE, LISA!