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Hephata-Festtage 2026: Donnerstag

Mehr als 600 Besucher*innen beim Auftaktkonzert der Hephata-Festtage

Mehr als 600 Besucherinnen und Besucher feierten gemeinsam mit Patrick Heidenreich, Phil Schaller und HE/RO einen unvergesslichen Festivalauftakt in Schwalmstadt-Treysa. Beste Stimmung, laute Mitsingmomente, starke Livemusik und jede Menge Emotionen machten den ersten Festtage-Abend zu etwas Besonderem.

„Die meisten Menschen sterben zu Hause, man muss raus und was erleben.“ Rosi Brendel lacht. Sie ist 86 Jahre alt und gemeinsam mit ihrem Enkel Philip Gnorski (27) zum Auftaktkonzert der Hephata-Festtage gekommen. Zehn Stunden Zugfahrt von ihrem Heimatort an der polnische Grenze liegen hinter den beiden, als sie sich am Donnerstag um 15 Uhr in die Warteschlange am Einlass einreihen. 

Ihre Sachen haben sie im Schließfach am Bahnhof eingeschlossen, ein Hotelzimmer haben sie nicht. Egal, Hauptsache, sie können heute Phil Schaller live erleben. Gemeinsam mit Patrick Heidenreich steht er im Vorfeld des Auftritts von HE/RO auf der großen Bühne am Festplatz der Hephata-Gärtnerei. „Hoffentlich spielt Phil das Lied Kopfkino, das rührt mich immer zu Tränen“, sagt Philip Gnorski. Nach dem Konzert wollen Oma und Enkel überlegen, wie die Nacht für sie weitergeht. „Ich begleite meinen Enkel seit fünf Jahren auf Konzerte. Wir werden schon irgendwie heimkommen“, sagt Rosi Brendel.

Da ist die Frauen-Clique neben ihnen schon einen Schritt weiter. Sie ist mit dem Auto aus Hannover angereist, denn da wohnt Kimberly Marie Pejic (20) und bei ihr übernachten sie heute alle: Anna Vierling (26) aus Lörrach, Verena Kotte (23) aus dem Emsland, Sophie Pammler (23) aus Köln und Lara Lotze (23) aus Dresden. Sie fahren seit mehreren Jahren schon zusammen durch die Republik, um HE/RO zu sehen. Und eigentlich waren sie auch schon Fans, als die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann noch „Die Lochis“ und Teenie-Stars auf Youtube waren. „Wir sind zusammen erwachsen geworden“, sagt Sophie Pammler. 

Sorgen und Arbeitsstress vergessen

Die Frauen-Clique steht seit 10 Uhr in der Schlange vor dem Einlass, der beginnt aber erst um 17 Uhr. Zwischen Süßigkeiten und Uno-Kartenspiel werden TikToks gedreht und lernt Verena Kotte noch schnell für ihren demnächst anstehenden Einstellungstest. Das Wetter ist strahlend, die Laune auch: „Man vergisst bei der Musik von HE/RO alles, das ist für uns ein safe space, an dem man befreit sein kann, alle Sorgen und Arbeitsstress vergisst“, sagt Anna Vierling. Das sieht auch Anna Katharin Röder (26) so. Sie ist aus Herne angereist. „Ich bin eigentlich hauptberuflich Konzertgängerin.“ Nein, stimmt nicht, sie arbeitet in der Altenpflege, aber sie trägt HE/RO immer bei sich, auf ihrem Oberarm, um genau zu sein, in Form eines Tattoos. „Mir gefällt, dass die Beiden in ihren Liedern eigene Geschichten erzählen. Sie sind einfach total sympathisch.“

Endlich, der Einlass macht auf, kurz danach finden sich die Fans nebeneinander in der ersten Reihe wieder. Mit ganz vorne dabei ist jetzt auch Norbert Scheffler aus Florshain, der vor allem auf den Auftritt von Patrick Heidenreich wartet. Nur Rosi Brendel muss sich erstmal setzen und nimmt auf der Tribüne für Rollstuhlfahrer*innen Platz. Von hier aus hat sie die Bühne gut im Blick. 

Patrick Heidenreich betritt sie als Erster. Und liefert den ihm eigenen Mix aus deutscher Pop-Musik und viel Gefühl. Dabei begeistern vor allem die ruhigeren Stücke wie „1.000 Fragen“, „Einmal wieder Kind sein“ oder „Niemals allein“ das Publikum, das aber auch zu schnelleren Stücken wie „Sie weiß, was sie will“ ins Tanzen kommt. Schwungvoll geht es auch beim Auftritt von Phil Schaller zu, der das Publikum mit Liedern wie „Sieben Meilen“, „Was wäre wenn“, „Viel zu normal“ und „Mein Berlin“ in Atem hält. Beide Künstler gehen dabei auf Tuchfühlung mit ihrem Publikum, das sich textsicher durch den Abend singt. Die Bühne ist angerichtet, als HE/RO um 20:30 Uhr übernimmt.
 

Bereiter geht es nicht

„Sind alle bereit für heute Abend?“, will Roman Lochmann wissen. Ein lautes Kreischen der größtenteils weiblichen Fans lässt keinen Zweifel: Bereiter geht es nicht. In den ersten Reihen dauertanzen und hüpfen die Fans anstatt zu stehen. „Silvester“, „Verrückte Phase“, „Kuss an Dich“ und „let it be“ schallen aus den Boxen. Eine Mischung aus Pop, Rock und Post-Punk, dazu Schaumkanone und wilde Tanzeinlagen auf der Bühne. Währenddessen lassen es Heike Weber-Bräutigam (50) aus Borken und Nicole Wiegand (48) aus Wabern ruhiger angehen. Die beiden Freundinnen stehen weiter hinten, Pommes in der Hand und Entspannung im Gesicht. „Vor ein paar Jahren waren wir mit unseren Söhnen auf dem Konzert der Lochis, jetzt sind wir mit unseren Töchtern hier. Die stehen da ganz vorne. Und uns gefällt es auch.“