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Ohne Zuckerguss. Aber mit viel Farbe.

Die 17-jährige Olga kam vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Heute gestaltet sie mit ihren liebevollen Aquarellen ein Buch mit, in dem es um die Geschichten anderer Menschen geht. Dabei hat sie selbst eine zu erzählen.

 

Treysa – Ein Pfirsich ist eigentlich keine große Sache. Es sei denn, man soll ihn so malen, dass man ihn am liebsten vom Papier pflücken möchte. Olga kann das. Mit Mandarinen übrigens auch. Die mag sie besonders gerne. Nicht unbedingt zum Essen, sondern zum Malen. Weil sie so schön farbenfroh sind. Und weil sie findet, dass ihr die beiden Früchte besonders gut gelungen sind.

Olga ist 17 Jahre alt. Und sie hat etwas geschafft, wovon viele kreative Menschen träumen: Ihre Bilder werden in einem richtigen Buch veröffentlicht. In meinem Buch. In „Ohne Zuckerguss“. Dabei ist das mit den Pfirsichen und Mandarinen nur ein winziger Teil ihrer Geschichte. Denn der Weg, der Olga zu Hephata geführt hat, begann mehr als 2000 Kilometer entfernt. In einer Stadt, die seit über vier Jahren immer wieder in den Nachrichten auftaucht. Mykolajiw. Ukraine.

Dort wurde Olga geboren, dort ist sie aufgewachsen. Bis im Februar 2022 der russische Angriffskrieg begann. Einen Monat später saß sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester im Auto. Das Ziel: Deutschland. Zunächst fand die Familie in einem kleinen Dorf bei Neukirchen ein neues Zuhause, später zog sie nach Treysa. „Am Anfang war ich neugierig auf das neue Land, habe aber auch meine Heimat vermisst“, erzählt Olga.

Deutschkurse und neue Freunde

Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, eine neue Schule. Während andere Jugendliche sich vor allem mit Hausaufgaben, Freundschaften und ihren Hobbys beschäftigten, musste Olga lernen, sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden. Besonders die Sprache machte ihr zu schaffen. Nicht nur die deutschen Wörter, sondern auch die Sorge, etwas falsch zu sagen. Also lieber schweigen als einen Fehler machen? So einfach ist das nicht, wenn man irgendwo dazugehören möchte. Olga kam direkt auf eine deutsche Schule, besuchte zunächst eine Sprachlernklasse. Deutschkurse und neue Freunde halfen ihr, sich einzuleben. Manchmal hat sie noch heute Angst, beim Sprechen Fehler zu machen.

Es gibt aber noch eine andere Sprache, die Olga schon viel länger beherrscht. Eine, für die sie keine Vokabeln lernen musste. Die Sprache der Farben. Schon in der Grundschule hat sie gerne gezeichnet. Später träumte sie eine Zeit lang davon, Modedesignerin zu werden. Inzwischen ist ihr Interesse breiter geworden. Hauptsache, sie kann gestalten, Ideen entwickeln, etwas Eigenes schaffen.

Und das tut sie mit Begeisterung. Sie zeichnet, malt, modelliert mit Ton und besucht seit Kurzem einen 3D-Kurs. Früher spielte sie außerdem viele Jahre Klavier und besuchte eine Musikschule. Dafür fehlt ihr momentan die Zeit. Ein eigenes Klavier würde sie sich irgendwann trotzdem gerne wieder kaufen.

Irgendwo in der Welt der Gestaltung

Ihre berufliche Zukunft sieht die junge Frau jedenfalls irgendwo in der Welt der Gestaltung. Wo genau, weiß sie noch nicht. Muss sie mit 17 ja auch nicht. Erst einmal besucht sie die Fachoberschule im Bereich Gestaltung und absolviert ihr Praktikum in der Öffentlichkeitsarbeit von Hephata. Dort lernt sie unter anderem, mit professionellen Gestaltungsprogrammen wie Adobe InDesign zu arbeiten.

Und dort kam eines Tages Kollege Max mit einer Idee um die Ecke. Ob sie sich vorstellen könnte, Illustrationen für ein Buch zu zeichnen? Nicht für irgendein Buch. Sondern für „Ohne Zuckerguss“, in dem ich die Geschichten der Menschen erzähle, denen ich während der Jubiläums-Roadshow durch die Welt von Hephata begegnet bin. Zu jeder Geschichte gehört ein Rezept. Und jedes dieser Rezepte sollte eine eigene kleine Illustration bekommen. Olga hatte so etwas noch nie gemacht. Aber sie hatte Lust darauf, etwas Neues auszuprobieren. Also legte sie los.

Zunächst recherchierte sie im Internet, schaute sich Bilder von Gerichten und Zutaten an, sammelte Anregungen und entwickelte daraus ihre eigenen Ideen. Mal zeichnete sie das fertige Essen, mal einzelne Zutaten. Immer wieder etwas anderes, schließlich sollten sich die Bilder nicht ständig wiederholen. Und sie machte etwas, das in Zeiten digitaler Bildgeneratoren und künstlicher Intelligenz längst nicht mehr selbstverständlich ist: Sie griff zu Bleistift, Papier und Aquarellfarben. Jede Illustration entstand von Hand. Erst eine leichte Skizze, dann die Farbe. Schicht für Schicht, mit Geduld und einem Gespür für Details.

Liebevoll, ohne kitschig zu sein

„Eine Herausforderung war es, so viele unterschiedliche Illustrationen zu entwickeln, ohne dass sie sich zu sehr ähneln“, erzählt sie. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die kleinen Bilder geben den Rezeptseiten einen ganz eigenen Charakter. Sie sind liebevoll, ohne kitschig zu sein. Mal verspielt, mal erstaunlich detailgetreu. Und sie passen wunderbar zu einem Buch, in dem es vor allem um Menschen geht.

Für Olga war die Arbeit nicht nur eine Gelegenheit, ihre Fähigkeiten mit Aquarellfarben weiterzuentwickeln. Es war auch die erste Erfahrung mit einem Projekt, dessen Ergebnis irgendwann tatsächlich zwischen zwei Buchdeckeln liegen wird. „Es war ein besonderes Gefühl, zu wissen, dass meine Zeichnungen später in einem Buch zu sehen sein werden.“

Zwischen all den Menschen, ihren Erlebnissen und den Rezepten steckt nun auch ein Stück von Olgas Geschichte. Gemalt mit Bleistift und Aquarellfarben. Und wer durch das Buch blättert, wird auch ihre Pfirsiche und Mandarinen entdecken. Die sehen tatsächlich zum Anbeißen aus. Aber bitte nicht wörtlich nehmen. Das Buch ist schließlich zum Lesen da – nicht zum Reinbeißen.

 

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