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Festtage 2026: Tag 2 Benefiz-Gala

Stars, Orchester und Standing Ovations: Die Benefiz-Gala im Rückblick

„Musik, die gut tut und Gutes tut“ – unter diesem Motto fand am 11. September 2026 das zweite Konzert der Hephata-Festtage statt. Dabei handelte es sich um eine Benefiz-Gala: Alle Künstler*innen hatten auf ihre Gagen verzichtet, alle Einnahmen des Abends gehen an die inklusive Jugendhilfe Hephatas. Mehr als 400 Menschen kamen dazu auf den Festplatz neben der Hephata-Gärtnerei.

„Hephata wird 125 Jahre jung, und gemeinsam mit Ihnen feiern wir das, wofür Hephata als diakonische Unternehmen steht und einstehen will: Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe, Vielfalt und Teilhabe, Offenheit und Verantwortung“ sagte Hephata-Vorstand Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt in seiner Begrüßung. „Dass Sie heute Abend hier sind, dass Sie mit Ihrer Anwesenheit und natürlich auch mit Ihrem Eintrittsgeld diese Werte und unsere Arbeit unterstützen, erfüllt meinen Vorstandskollegen Stefan Gerland und mich mit großer Dankbarkeit.“ Der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein hatte die Schirmherrschaft der Gala übernommen, zu der unter anderem auch Schwalmstadts Bürgermeister Tobias Kreuter erschienen war.

Scheinwerfer auf Kinder und Jugendliche

„Heute Abend, mit dieser Gala, sind es insbesondere Kinder und Jugendliche, die nicht in ihren Familien leben können, auf die wir den Scheinwerfer richten. Ein Kind ist ein Kind: Nach diesem Grundsatz geben wir Kindern ein Zuhause auf Zeit, ob sie nun mit oder ohne Behinderung durchs Leben gehen“ so Dietrich-Gibhardt weiter. Mit inklusiven Wohnangeboten für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen nehme Hephata eine Vorreiterrolle in Hessen ein. „Mit Ihrem Eintritt heute helfen Sie uns, diese Angebote im Sinne der uns anvertrauten Kinder weiterzuentwickeln.“

Diese Hilfe ist so individuell und vielfältig, wie die Kinder und Jugendlichen selbst. Oder, wie Michael Sasse, der mit Johanna Kindler, beide von der Kasseler Demokratie-Initiative „Offen für Vielfalt – gemeinsam gegen Ausgrenzung e.V.“, durch den Abend führte, sagte: „Hier wird Vielfalt gelebt, alle gehören dazu.“

Das galt natürlich auch an diesem Abend. Neben volkstümlichem und modernem Schlager gab es Oper- und Musical-Stücke, Pop- und Rock-Musik sowie ein ganzes Orchester zu hören. Dafür waren Sonia Liebing, Peggy March, die Wildecker Herzbuben, Florian Theiler und das Landespolizeiorchester Hessen angereist. Peggy March war kurzfristig für Schlagersängerin Nicki eingesprungen, Florian Theiler für Sebastiano Lo Medico. Die Künstler*innen präsentierten in Einzel- und Gemeinschaftsauftritten Hits und neue Stücke zum Motto des Abends.

Liebe ist für alle da

Den Auftakt machte Sonia Liebing mit dem Lied „Liebe ist für alle da“. Mit Textzeilen wie: „Egal ob reich oder arm, laut oder stumm, Frau oder Mann, quer gestreift oder bunt. Hey, du bist wunderbar. Und Liebe ist für alle da“, traf sie den Nerv des Publikums, das begeistert mitsang. Natürlich durften auch weitere Hits wie „Tu nicht so“ und „1.000 Gründe“ nicht fehlen. In den Stücken spielten Nächstenliebe und Selbstliebe, Achtung und Respekt füreinander die zentrale Rolle. Sonia Liebing steht für modernen deutschen Schlager, der auf und vor der Bühne zum Tanzen einlädt, aber auch inhaltliche Tiefe bietet. Sie verließ die Bühne mit dem Kompliment: „Wenn ich nicht schon längst verliebt wär, wäre ich es jetzt in Euch.“

Karriere in den USA und Deutschland

Danach hätte eigentlich das Bayerische Cowgirl Nicki auf der Bühne stehen sollen. Doch sie wurde kurzfristig krank und ebenso kurzfristig sprang Peggy March für sie ein. Peggy March wird auch am Sonntag ab 17 Uhr das Abschlusskonzert der Hephata-Festtage spielen. Doch von Abschluss war am Freitag nun noch wirklich nichts zu hören. „Vor 150 Jahren habe ich meine Karriere in den USA begonnen, na ja, fast vor 150 Jahren“, scherzte die Sängerin und Komponistin. „Mit 14 Jahren habe ich ein Lied aufgenommen, dass als ich 15 Jahre alt war, zur Nummer eins wurde und dann in den 80er Jahren nochmal ein Erfolg wurde mit dem Film Sister Act.“ Eingefleischte Fans wussten natürlich genau, worum es ging: „I will follow“. Der Klassiker gehörte genauso zum Repertoire des Abends wie „Fly away pretty flamingo“ und „Mit 17 hat man noch Träume“. Letzteres Lied sang Peggy March sogar in der Rapp-Version, die Oli P. in Deutschland berühmt gemacht hatte.

Die Wildecker Herzbuben

Berühmt in Deutschland sind seit Jahrzehnten auch Wolfgang Schwalm und Wilfried Gliem, alias die Wildecker Herzbuben. „Kommen sie wirklich?“, lautete wohl eine der meistgestellten Fragen im Vorfeld des Konzerts. Ja, sie kamen, in Tracht und zeigten die Vielfalt ihres musikalischen Könnens in Interpretationen von „Unchain my heart“ und „You raise me up“. Der anerkennende Kommentar aus den ersten Reihen war eindeutig: „Boah, hört sich das geil an!“ Und ja, auch „Herzilein“ war mit dabei und sorgte für ein stehendes und schunkelndes Publikum.

Die Welt der Musicals

Kein Schunkeln, sondern eher ein stilles Versinken in der Musik, bewirkten die Musical-Hits, die Florian Theiler zu Gehör brachte. Er war für den erkrankten Sebastiano Lo Medico eingesprungen. Zwischen Anfrage und Auftritt lagen nicht mal acht Stunden. Mit Kostproben aus den Musicals Rudolf („Wie jeder andere Mann“) und Mozart („Wie kann es möglich sein?“) oder auch aus dem Disney-Film Hercules („Ich wird‘s noch beweisen“) bezauberte er das Schwalmstädter Publikum, das auch dem einsetzenden Regen Stand hielt. Dass Florian Theiler auch Schlager kann, zeigte er bei seinem letzten Lied, „Ich war noch niemals in New York“, und einer Homage an Udo Jürgens.

Ein starkes Motiv

Dies war zugleich auch die Überleitung zum Auftritt des Landespolizeiorchester Hessen, das mit einem Udo Jürgens-Medley aufwartete. Das Orchester unter Leitung von Julian Metzger lieferte anschließend nicht nur mit dem Titel „Ein starkes Motiv“ – ein Krimi-Melodien-Medley – ein starkes Motiv für lauten Beifall. Auch die Interpretationen von „I don’t mean a thing“ und Abba-Klassikern begeisterten die Zuhöreri*innen mit ihrer Vielfalt an Klank und Spielfreude.

Sie zeigte sich auch noch einmal ganz am Ende des Abends, als alle Musiker*innen gemeinsam auf der Bühne standen und das Lied „We are the world“ sangen und musizierten. Musik, die gut tut und Gutes tut – an diesem Abend gab es sie in Hülle und Fülle.