
Geschichtenbäcker trifft Kelly-Family-Star
Manchmal führen Geschichten überraschend weit. Der Geschichtenbäcker war in diesem Jubiläumsjahr unterwegs, um Menschen zu treffen, ihnen zuzuhören und von ihrem Leben zu erzählen. Und weil gute Geschichten niemals einfach aufhören, führt eine davon jetzt zu einer Frau, deren Stimme Millionen Menschen kennen: Patricia Kelly.
Am Sonntag, 6. Dezember, kommt der Star der legendären Kelly Family mit „Blessed Christmas – Songs & Stories“ ins Kultur- und Bürgerzentrum nach Neustadt (Hessen). Es ist eines von bundesweit nur fünf Konzerten ihres Weihnachtsprogramms in diesem Jahr – und zugleich der musikalische Schlusspunkt des Jubiläumsjahres 125 Jahre Hephata Diakonie. Und wo Musik auf Erinnerungen trifft, ist der Geschichtenbäcker nicht weit: Patricia Kelly erzählt ihm von ihren eigenen Anfängen, von Weihnachten und Familie, von riesigen Bühnen und der Sehnsucht nach Nähe.
Weihnachten scheint für dich eine besondere Bedeutung zu haben.
Patricia Kelly: Das stimmt, denn für mich ist Weihnachten der Ursprung unserer musikalischen Geschichte. Mein Vater war Unternehmer, wir lebten im spanischen Kastilien, und in den 70er-Jahren hatten wir zu Hause weder Fernseher noch Radio. Also sang man – das war ein Grundbedürfnis. Wir Kinder zogen mit Laternen von Haus zu Haus, sangen Weihnachtslieder und bekamen Kekse geschenkt. Stundenlang haben wir gesungen, Tag für Tag. Meine Kindheit war idyllisch, sie war wie ein Heidi-Märchen – nur in Südspanien, sehr behütet. Mein allererstes Solo war ebenfalls ein Weihnachtslied, ich war gerade einmal vier oder fünf Jahre alt.
Welche Weihnachtslieder liegen dir heute besonders am Herzen?
Patricia Kelly: Das wechselt von Jahr zu Jahr. Aber es gibt Stücke, die ich immer besonders liebe. „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ zum Beispiel – ein unglaublich schönes Kulturgut, das oft unterschätzt wird. Diese alten deutschen Lieder, teilweise aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, sind für mich ein Schatz. Aber ich liebe auch die spanischen Weihnachtslieder, die sehr fröhlich sind, und natürlich Klassiker wie „O Holy Night“.
Was erwartet die Besucher bei „Blessed Christmas“?
Patricia Kelly: Es wird ein sehr persönlicher Abend. Ich habe ein Konzept entwickelt, das schon bei den den Konzerten im vergangenen Jahr und bei Fan-Events sehr gut ankam: Musik, kombiniert mit Erzählungen, Fotos und Videos auf einer Großleinand. Natürlich steht Weihnachten im Mittelpunkt, aber zwischendurch darf auch gelacht werden – mit lustigen Anekdoten oder alten Familienbildern. So entsteht etwas ganz Besonderes, was man in einem normalen Konzert so nicht erlebt. Am Ende wird es eine Mischung aus allem geben – spanische, deutsche, internationale Traditionals.
Du hast im Laufe deiner Karriere an manchen Abenden vor Hunderttausenden gespielt. Warum wählst du heute bewusst kleinere Räume?
Patricia Kelly: Ich habe tatsächlich Angebote für große Tourneen, aber das ist im Moment nicht das, was ich will. Mir liegen die kleineren Rahmen mehr. Dort kann ich nah bei den Menschen sein, ohne Druck, handgemacht und bodenständig. Es ist ein bewusster Kurswechsel der letzten zweieinhalb Jahre, und er tut mir sehr gut. Ich brauche nicht immer höher, schneller, weiter. Mir geht es darum, dass wir am Ende sagen können: Das war schön, die Seele ist erfüllt.
Du sprichst oft von Nähe und Echtheit. Wie wichtig ist dir Authentizität – auch über die Bühne hinaus?
Patricia Kelly: Sehr wichtig. Wenn man meine Social-Media-Kanäle anschaut, sieht man: Ich arbeite ohne Filter, ohne Photoshop, oft auch ganz ohne Make-up. In einer Zeit, in der man kaum noch weiß, was echt ist und was KI, sehnen sich viele Menschen nach dem Authentischen. Das versuche ich bewusst zu leben – in meiner Musik genauso wie im Alltag. Für mich ist das kein Marketing, sondern eine Haltung.
Viele in Nordhessen erinnern sich noch an die Kelly Family und ihre legendären Konzerte auf den Straßen Kassels. Welche Verbindung hast du zu dieser Stadt?
Patricia Kelly: Kassel war eine unserer Lieblingsstädte – und das ist keine Schmeichelei. Die Menschen dort waren unglaublich offen, direkt, herzlich und sehr großzügig. Wir haben dort eine riesige Unterstützung erlebt, die Menschen haben unsere Kassetten und LPs gekauft und uns damit wirklich getragen. Wir haben in den 80er- und frühen 90er-Jahren immer wieder dort gespielt. Für uns war Kassel eine der wichtigsten Städte, und deswegen haben wir für die Auftritte dort oft die Samstage aufgehoben, die besten Tage für Konzerte. Diese Erinnerungen sind bis heute sehr lebendig in mir.
Klingt, als seist du ein kleiner Nordhessen-Fan?
Patricia Kelly: Absolut. Ich habe mich in die Gegend verliebt – diese Natur, die Ruhe, das hat fast etwas Magisches, man hat das Gefühl, in einen Urwald einzutauchen. Und natürlich die Menschen vor Ort: sehr herzlich, sehr authentisch. Da fühle ich mich fast wie zuhause.
Wenn „An Angel“ auf Weihnachten trifft
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Das Konzert von Patricia Kelly im Neustädter Kultur- und Bürgerzentrum beginnt am Sonntag, 6. Dezember, um 17 Uhr. Tickets gibt es im Café125 neben der Hephata-Kirche (dienstags von 13 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr) sowie online unter www.hephata.de/adventskonzert. Je nach Kategorie kosten die Tickets zwischen 49 und 60 Euro.