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Kein Zaubergarten – aber einer, der wirkt

Homberg – Die Erde ist noch kühl, aber im Beet beginnt es längst zu arbeiten. Zarte Blätter schieben sich ans Licht, beschriftet mit krakeliger Handschrift: Tomaten, Gurken, Radieschen. Meraya Shaffer kniet im Garten der Batzenmühle, streicht mit den Fingern über die dunkle, feuchte Erde und lächelt.

Vorhin stand sie noch im Backmobil, rührte mit dem Hephata-Team einen Frau-Holle-Kuchen mit Erdbeeren, lachte, redete, mittendrin im Trubel der Roadshow. Jetzt ist es stiller. Nur ein paar Schritte weiter – und doch eine andere Welt. Diesen Gegensatz mag sie. Trubel, wenn sie ihn braucht. Rückzug, wenn alles zu viel wird.

Was hier wächst, braucht Zeit. 

„Die standen vor ein paar Tagen noch auf meiner Fensterbank“, sagt sie und zeigt auf die jungen Pflanzen, die jetzt draußen ihren Platz gefunden haben. Was hier wächst, braucht Zeit. Und Geduld. Beides hat in ihrem Leben lange gefehlt. Seit 2023 ist die 35-Jährige in der Batzenmühle. Ursprünglich kommt sie aus Kassel. Ein Leben, das dort irgendwann aus dem Gleichgewicht geraten ist. „Ich bin suchterkrankt“, sagt sie offen. Erst Cannabis, später Alkohol. „Als mein Sohn weg war, ist mir der Boden unter den Füßen weggebrochen.“ Der 15-Jährige lebt seit einem Zusammenbruch seiner Mutter  bei deren Bruder. Eine Entscheidung, die notwendig war – und trotzdem schmerzt. „Manchmal vergesse ich, dass das auch ein Schritt für uns beide war“, so Meraya leise.

Was folgte, war ein schneller Absturz. Aus gelegentlichen Abenden wurden feste Routinen. Aus einem Glas Wein wurden am Ende bis zu drei Liter täglich. „Das ging drei Monate so“, erzählt sie. Trinken, schlafen, wieder trinken. Ein Kreislauf, der alles andere überdeckt. „Weil einfach alles zu viel war.“

 „Beim zweiten wusste ich: Ich brauche Hilfe.“

Heute steht sie zwischen den Beeten und spricht darüber, als gehöre es zu ihr – aber nicht mehr zu dem, was sie festhält. Zwei Rehas hat sie hinter sich. Beim zweiten Mal fällt die Entscheidung, weiterzugehen. Nicht mehr allein kämpfen zu wollen. „Beim ersten Mal dachte ich noch, ich schaffe das schon“, sagt sie. „Beim zweiten wusste ich: Ich brauche Hilfe.“

Gefunden hat sie sie in der Batzenmühle.. Ein Ort, der beides ist: Schutzraum und Trainingsfeld. „Man ist hier schon ein bisschen unter einer Käseglocke“, sagt sie, lacht kurz und meint es gar nicht abwertend. Eher wie eine Feststellung. Hier ist immer jemand da. Zum Reden. Zum Auffangen. Zum Aushalten.

Und da ist dieser Garten.

„Ich finde es voll schön, dass aus einem kleinen Samenkorn etwas wird, das man essen kann“, sagt sie. Kohlrabi, Zucchini, Kräuter – alles wächst jetzt draußen, bekommt Licht, Wasser, Raum. Mit einem anderen Klienten zusammen baut sie Hochbeete, setzt Pflanzen, probiert aus. „Ich glaube, ich habe einen grünen Daumen“, sagt sie und grinst. Vielleicht ist es genau das: etwas wachsen sehen, das nicht sofort wieder verschwindet. Etwas, das bleibt, wenn man sich kümmert.

Orientierung im Berufsbildungsbereich

Ihr Alltag hat wieder Struktur. Sie macht aktuell den Berufsbildungsbereich in Treysa, probiert sich aus, sucht eine Richtung. „Ich weiß noch nicht genau, was ich später machen will“, sagt sie. Aber der Satz klingt nicht mehr nach Überforderung. Eher nach Offenheit.

Ihr Sohn ist noch da, auch wenn er nicht hier ist. Sie telefonieren viel, sehen sich, wenn es passt. „Wir haben ein gutes Verhältnis“, sagt sie. Und das klingt wie etwas, das ebenfalls weiterwachsen darf. Meraya Shaffer steht auf, klopft sich die Erde von den Schuhen und schaut über das Beet, das sie selbst angelegt hat. Nichts daran ist fertig. Aber es hat begonnen.