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Wo kleine Hände Teig kneten und Berührungsängste verschwinden

Treysa – Schon am zweiten Tag der Roadshow wird es eng vor der rollenden Backstube in der integrativen Kindertagesstätte in Treysa. Kleine Hände greifen nach großen Schüsseln, jemand hält einen Schneebesen fest wie einen Schatz, irgendwo wird Mehl verteilt, bevor es überhaupt im Teig landet. Apfelkuchen entsteht, Piratenbrötchen warten auf ihre Form, und wer noch nicht hoch genug an die Arbeitsplatte reicht, klettert kurzerhand auf Kisten oder Leitern, um wenigstens einmal in die duftenden Teigschüsseln schauen zu können. Niemand will nur zuschauen. Alle wollen mitmachen.

Während im Backmobil gerührt, geknetet und gelacht wird, verwandelt sich das Gelände drumherum fast nebenbei in ein großes Open-Air-Café. Eltern kommen ins Gespräch, Kinder tragen stolz ihre Backwerke spazieren, irgendwo wird probiert, irgendwo gespielt. Es ist einer dieser Tage, an denen man merkt, dass Gemeinschaft nicht organisiert werden muss. Sie entsteht einfach. Zeit für den Geschichtenbäcker, nachzufragen, was  diesen Ort eigentlich ausmacht.

Verschieden zu sein gehört einfach dazu

Carolin Schütz steht mitten im Geschehen. Ihre beiden Kinder Sophia und Hannes sind hier groß geworden, Sophia ist inzwischen schon in der Schule. „Wir finden den Kindergarten hier oben einfach nur schön“, sagt sie. Und dann beschreibt sie das, was für ihre Familie entscheidend war: „Dass die Kleinen von Anfang an mit Kindern zusammen sind, die Unterstützung brauchen. Sie lernen das einfach von klein auf kennen. Das ist für sie komplett normal.“ Normal. Ein kleines Wort, das hier viel bedeutet. Niemand wird schief angeschaut. Niemand fällt heraus. Verschieden zu sein gehört einfach dazu.

Auch Elisabeth Kadetto hat sich ganz bewusst für diese Kita entschieden. Ihre Kinder Milan und Melia gehen hierher. Auch sie schätzt den Integrationsgedanken. „In meiner eigenen Kindergartenzeit war das noch anders.“, sagt sie. „Und je kleiner die Kinder sind und je früher sie damit aufwachsen, desto normaler ist das für sie. Sie spielen dann einfach miteinander. Sie haben keine Angst mehr.“

Kinder sind einfach glücklich

Es sind Sätze, die zwischen Kuchenduft und Kinderstimmen fast beiläufig fallen – und gerade deshalb lange nachwirken. Später erzählen beide noch, was den Alltag hier prägt: dass Kinder andere Gruppen besuchen dürfen, dass Eltern willkommen sind, dass eine Gemeinschaft entsteht, in der man sich kennt. Carolin Schütz schwärmt vom teiloffenen Konzept, von festen Rückzugsorten und gleichzeitig viel Bewegungsfreiheit. Und davon, wie sehr man als Eltern spürt, dass die Erzieherinnen gern hier arbeiten. „Das bekommt man zu spüren, weil die Kinder einfach glücklich sind.“

Vielleicht lässt sich dieser Ort tatsächlich nicht besser beschreiben als mit dem Satz, der schließlich zwischen zwei Kuchentellern fällt: „Für die Kinder ist das hier auf jeden Fall eine heile Welt.“ Während unter dem rosa Kirschbaum weiter gegessen, gespielt und erzählt wird, warten am Backmobil schon die nächsten kleinen Bäckerinnen und Bäcker auf ihren Einsatz. Tag zwei der Roadshow – und das Gefühl ist längst da: Hier geht es nicht nur ums Backen. Hier wächst Vertrauen.