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Die Geschichte hinter den Geschichten


Was 20 Blogstorys über Vorurteile, Berührungsängste und die Menschlichkeit hinter den Türen von Hephata erzählen
 

Als ich vor einigen Wochen die Geschichtenbäckermütze aufgesetzt habe, wusste ich, dass das ein besonderer Auftrag werden würde. Ich ahnte nur nicht, dass er mich selbst so berühren würde.

Nach 20 Blogbeiträgen ertappe ich mich immer häufiger bei einem Gedanken: Ich dachte, diese Roadshow würde mich durch Hephata-Einrichtungen führen. Tatsächlich führt sie mich vor allem zu Menschen. Und je länger ich unterwegs bin, desto mehr staune ich über sie.

Dabei sollte man meinen, dass mich nach mehr als drei Jahrzehnten als Journalist nicht mehr allzu viel überrascht. Ich schreibe Reportagen, führe Interviews, begleite Konzerte, Kulturveranstaltungen und gesellschaftliche Themen. Ich habe Politiker getroffen, Künstler, Autoren, Unternehmer und Prominente. Und trotzdem passiert mir auf dieser Roadshow-Reise etwas, womit ich nicht gerechnet habe. Ich komme zu einer Backmobilstation – und fahre mit einer Geschichte nach Hause, die mich noch Tage später beschäftigt. Mit einem Satz, der nachklingt. Mit einer Begegnung, die nachdenklich macht. Mit einem Menschen, den ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme.

Die größte Stärke der Roadshow

Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke dieser Roadshow. Sie zeigt nicht nur Orte. Sie schafft Begegnungen. Begegnungen mit Menschen, denen viele von uns im Alltag wahrscheinlich nie begegnen würden. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil Berührungsängste existieren. Weil Vorurteile existieren. Weil manche Wege sich einfach nie kreuzen. Erst unterwegs habe ich verstanden, welches Geschenk darin steckt. Die Möglichkeit, einen Menschen kennenzulernen, bevor man ihn einordnet.

Da ist Alexander, der jahrzehntelang nur dem nächsten Kick hinterherjagte und heute auf einer Terrasse sitzt und Hummeln beobachtet. Da ist Markus, der verschwörerisch die Stimme senkt und von Kobolden erzählt – und dabei viel mehr über Fantasie, Offenheit und den zweiten Blick verrät als über kleine Zauberwesen. Da ist Alina, die beim ersten Besuch am liebsten unsichtbar geworden wäre und eine Woche später offen ihre Geschichte erzählt. Da ist Karin Krambeer, die seit 70 Jahren in Hephata lebt und mit ihrer glitzernden Haarspange noch immer ein kleines bisschen Prinzessin geblieben ist. Und da sind die vielen anderen. Menschen, die nie in einer Talkshow sitzen werden. Menschen, die keine Schlagzeilen machen. Menschen, deren Geschichten dennoch mehr über das Leben erzählen als so manches große Ereignis.

Je länger ich unterwegs bin, desto mehr wundere ich mich über die Berührungsängste, die noch immer existieren. Denn hinter den Türen der Einrichtungen habe ich keine fremden Welten gefunden. Keine Ansammlung von Diagnosen. Keine Parallelgesellschaft. Ich habe einfach Menschen getroffen. Menschen, die lieben, lachen, hoffen, scheitern, kämpfen und träumen. Menschen, die dazugehören wollen. Menschen, die oft viel stärker sind, als wir ihnen zutrauen.

Momente, die Vertrauen entstehen lassen

Besonders beeindruckt haben mich die Mitarbeitenden. Nicht wegen großer Reden oder spektakulärer Taten. Sondern wegen ihrer Haltung. Weil sie zuhören. Weil sie bleiben. Weil sie Geduld haben. Weil sie manchmal genau spüren, wann jemand einen Arm um die Schulter braucht, ohne dass ein Wort gesprochen werden muss. In den vergangenen Wochen habe ich unzählige solcher Momente erlebt. Momente, die man in keinem Organigramm findet und die in keiner Stellenbeschreibung stehen. Aber genau diese Momente sind es, die Vertrauen entstehen lassen.

Und vielleicht sind es genau diese Begegnungen, die ich später mit nach Hause nehme. Denn die Gespräche mögen nach einer Stunde enden. Die Geschichten enden oft erst viel später. Manchmal sitze ich abends auf dem Sofa und denke noch einmal an einen Menschen vom Nachmittag. An einen Satz, der hängen geblieben ist. An eine Geschichte, die mich nicht loslässt. Ich bin losgefahren, um Geschichten zu sammeln. Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass die Geschichten längst begonnen haben, mich einzusammeln.

20 Blogbeiträge - und es geht weiter

Deshalb freue ich mich auf die nächsten Stationen. Nicht, weil ich weiß, was mich dort erwartet. Sondern weil ich es nicht weiß. Weil irgendwo da draußen vielleicht schon der nächste Alexander sitzt und Hummeln beobachtet. Der nächste Markus von Kobolden erzählt. Oder der nächste Mensch darauf wartet, dass ihm einfach jemand zuhört.

Als ich die Geschichtenbäckermütze aufgesetzt habe, dachte ich, ich würde Geschichten sammeln. Nach den ersten 20 Blogbeiträgen weiß ich: Die schönsten Geschichten sind die, die uns daran erinnern, wie viel Menschlichkeit hinter einer Tür warten kann.