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„Ohne Hütte wäre ich gar nicht eingezogen“

Warum Tobias Stang im Wohnverbund Schrecksbach endlich angekommen ist

Schrecksbach – Ohne seine Gartenhütte wäre Tobias Stang gar nicht erst eingezogen. Das sagt er nicht dramatisch. Nicht trotzig. Sondern mit dieser entwaffnenden Selbstverständlichkeit, die sofort zeigt: Der 34-Jährige weiß ziemlich genau, was er will. Aber eben auch, was er nicht will. Jetzt steht sie draußen im Garten des Wohnverbunds Schrecksbach – seine kleine Holzhütte mit Werkbank, Werkzeug und dem Duft von frischem Holz. Nur der Strom fehlt noch. Sehr zum Leidwesen von Tobias. „Ich möchte aber wieder Strom haben“, sagt er an diesem Roadshow-Nachmittag gefühlt alle zehn Minuten. Geduld gehört nämlich nicht unbedingt zu seinen größten Stärken. Genau das macht diesen immer lachenden, schnuddelnden Bayern-München-Fan aber vom ersten Moment an unglaublich sympathisch.

Seit Februar lebt Tobias im Wohnverbund Schrecksbach. Eigentlich noch ganz frisch. Und trotzdem wirkt es, als hätte er sich hier längst seinen Platz geschaffen. Vielleicht auch, weil er kaum stillsitzen kann. Tobias redet viel. Und gerne. Wenn ihn etwas beschäftigt, muss darüber gesprochen werden. Sofort. Das weiß auch Einrichtungsleiterin Johanna Kröger: „Wenn Tobias anruft, dann meistens nicht ohne Grund.“ Manchmal geht es um neue Arbeitsschuhe. Manchmal um eine kaputte Orthese. Und manchmal einfach nur um die Angst, dass ein Urlaubsantrag nicht rechtzeitig unterschrieben wird. „Dann steht er den ganzen Tag unter Strom“, erzählt Kröger lachend. Für viele vermutlich Kleinigkeiten. Für Tobias riesengroße Themen. Und Themen, die hier eben nicht einfach belächelt werden.

Wunsch nach Sicherheit

Und gleichzeitig merkt man schnell: Hinter all dieser Unruhe steckt vor allem der Wunsch nach Sicherheit. Danach, dass Dinge geregelt sind. Dass jemand zuhört. Dass Probleme nicht einfach irgendwo liegen bleiben. Genau das scheint Tobias hier gefunden zu haben.

Tagsüber arbeitet er im Metallbereich der Werkstatt in Ziegenhain, bohrt Gewinde, kontrolliert Muttern und arbeitet an Maschinen. Eigentlich macht ihm das Spaß. Aber der Lärm setzt ihm zu. Deshalb spricht Tobias immer wieder davon, irgendwann vielleicht nur noch halbtags arbeiten zu wollen. Mehr Ruhe. Mehr Zeit für sich. Mehr Zeit für seine Hütte. Denn dieser kleine Holzraum draußen im Garten ist längst viel mehr als nur ein Schuppen. Dort möchte Tobias werkeln, schrauben, bohren. Einfach machen. Dafür fehlt nur noch der Stromanschluss. Eine Sache, die ihn sichtbar beschäftigt. Denn ohne Strom bleibt vieles Wunschdenken.

Ein Stück Eigenständigkeit

„Das ist leider etwas schwierig, weil das ganz schön teuer ist“, erklärt Johanna Kröger vorsichtig. Tobias lässt trotzdem nicht locker. Vielleicht auch, weil diese Hütte für ihn ein Stück Eigenständigkeit geworden ist. Ein eigener Ort. Ein eigener Schlüssel. Ein Raum, in dem nicht ständig jemand mitentscheidet.

Während Tobias stolz seine Werkbank zeigt und fürs Foto posiert, wirkt er für einen Moment fast wie ein kleiner Junge mit seinem ersten Baumhaus. Voller Begeisterung. Voller Ideen. Aber gleichzeitig sitzt da eben auch ein erwachsener Mann, der gerade beginnt, wirklich anzukommen. Und dabei spielt diese Hütte nun einmal eine ziemlich große Rolle. Vielleicht ist sie für Tobias Stang genau das, wonach viele Menschen suchen. Ein Ort, der sich endlich nach dem eigenen Leben anfühlt.